Sonntag, 17. Februar 2013

Tunnelblick (15): Wasndasey?

Eine schnatternde Schulklasse oder Abi-/Kursfahrt (jedenfalls ältere Teenager) mit Mädchenüberschuss bevölkert einen ganzen morgendlichen Waggon auf der Ost-West-Achse der S-Bahn. Dieses eine Mal kriegen bei deren derzeit obligatorischem Auftauchen die zwei Südländer mittleren Alters mit Ghettoblaster, Trompete, Gitarre und sehr dürftigen Instrumental- sowie Sangeskünsten, die seit geraumer Zeit auf jener Strecke mit ihrem allgegenwärtigen, ganztägigen "Nossa! Nossa!" (Jaa, jaa, es heißt "Ai Se Eu Te Pego" ... ein topaktueller Winterhit) immer wieder unfassbar nerven, nicht nur gequält leidende Blicke. Sondern zum einen erhalten sie seltenerweise jede Menge Kleingeld – und zum anderen Begeisterung. Johlen, Applaus, Fingerschnipsen, Rhythmusklatschen und ein weiblicher Mitsing-Chor branden auf. Erstaunt und erfreut sehen die beiden Männer sich daraufhin bei und nach dem Geldeinsammeln erstmalig zu einer Zugabe ermutigt. Jedoch lässt "Oh When The Saints Go Marchin' In" das irritierte Jungpublikum komplett kalt sowie völlig verständnislose Gesichter zurück.

Kommentare:

theM hat gesagt…

Tunnelblick vom Feinsten. Vielen Dank für's in die Welt tragen. Und jetzt muss ich mich vom Kopfschmerz erholen vor lauter "Hand-an-die-Stirn-hauen" ;) ;)

Anonym hat gesagt…

Es.Pe sagt: Kam heute erstmals in den Hörgenuss eines so aktuellen verflossenen Hits in der U, der eilig vorgespielt wurde, da sich der Umsteigebahnhof gnadenlos auf uns zubewegte. Na, da bleibt dann das Berliner Gefühl von Geschäftigkeit und Eile im Vordergrund stehen, während das kurzzeitig verbreitete Lebensgefühl aus anderen Ländern schnell wieder verfliegt.

Efeu hat gesagt…

@theM: Danke! :-) Der alltägliche Wahnsinn. Aber nicht noch mehr dich selbst schädigen! Wäre es nicht ergebnisreicher und sinnvoller, ANDEREN an die Stirn zu hauen - sofern es die Richtigen sind?

@Es.pe: Huhu und danke für die hinterlassene Spur. :-) War es denn auch DER Song oder ein anderer? Jetzt liegt ja auch wieder Schnee, da müssten sie einem eigentlich wieder begegnen, die Nossa-Nossa-Jungs!
Und ja, die ganzen MusikantInnen in S- und U-Bahnen "müssen" teils ziemlich am Tempo (und an der B-Note für den künstlerischen Ausdruck...) kurbeln, damit sie bis zur nächsten Station noch alles schaffen (natürlich inklusive Rumgehen mit dem Becher oder Hut). In den meisten Fällen hamse ja keine Genehmigung und deshalb darf in Anwesenheit der Bahn- oder BVG-Bediensteten im Bahnhof natürlich kein Musizieren mehr zu bemerken sein. ;-) Langsameres Fahren aus Rücksicht auf diese Bedürfnisse fände ich aber nicht wirklich 'ne Lösung.

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