Mittwoch, 5. Mai 2010

Die Reinen und die Schmutzigen

Skandal im Plärrbezirk:
"Unser Star für Oslo" Lena Meyer-Landrut war letztes Jahr mal ein paar Sekunden nackt in einer Docu Soap von RTL zu sehen! Au weia! Hm: Sie war jung und sie brauchte das Geld? Angeblich ist das 18-jährige Hampelmädel doch deshalb so beliebt, weil es "so natürlich rüberkommt". In ganz natürlich, wie Gott (oder Raab) es schuf, will es aber offenbar auch wieder keiner haben. Dabei sollten sich doch alle freuen, dass ein offenkundig gerne ein Bad nehmender, mutmaßlich also immer außen wie innen total gereinigter Teenie an den Start um den Trällerpokal geht - folglich ein Mensch, der Deutschland vor der europäischen Schlagerwelt (entgegen anders lautenden Meinungen) schonmal nicht durch fettige Haare, Mundgeruch und dampfende Achselhöhlen blamiert. Wenn jemand sein Sauber-Image wörtlich nimmt, ist's auch wieder nicht recht? Und für rituelle Waschungen und anderes spirituell Erquickliches ist der Sender RammelnTötenLallen doch bekannt. Vielleicht ist der Skandal nur, dass neben dem Kampf der Privatsender ein Inhalt her muss, der vertuschen soll, warum die Kleene gerade nicht jeden Showtermin wahrnehmen kann: weil sie vor dem Wettbewerb noch schnell Gesangstechnik lernen muss. Und dass sie schon vorher auf verschiedenen Wegen und nicht erst jetzt Medienblut geleckt hat. Einen gewissen Wayne soll's gerüchtehalber sogar interessieren.

Skandal um Johnny:
Dramatischer mutet da der neuste "Ja, die Welt ist schlecht, hinterhältig und gemein!"-Schocker aus der Welt des Sports an. Nach Jahren intensivster Beeinflussung und Bearbeitung hatten diverse wunderliche Fan-Individuen (Grüße an dieser Stelle u.a. nach Kreuzberg und Göttingen) mich so weit: Erstmals begann ich bei dieser WM nicht nur das Spiel als Sport anzuerkennen, sondern auch zu verstehen, was an Snooker so spannend sein soll bzw. kann (ich fasse es nicht, dass ich über Snooker blogge! Es geht bergab mit mir!). Vielleicht auch nur, weil ich langsam die verquasten Regeln, Clous und Prinzipien zu verstehen anfange. Und weil ich die Amüsanz bemerke, die das Beobachten verpickelter, hässlicher, blasser, verklemmt wirkender, summa summarum also typischer Engländer (und sehr vereinzelter anderer Landsleute - wenn nicht anglophoner, dann chinesischer Herkunft, denn die verbeißen sich in einfach alles) beim Konzentrieren, Nervenzeigen und Sich-Ärgern mit sich bringt. Umso frustrierender, wenn plötzlich - nein: pünktlich zum Finale - der als hachsofair gepriesene "Gentleman-Sport" auf den Spuren von Fußball, Radsport & Co. wandelt: Korruption! Oh my goodness!
Ausgerechnet der eher langweilig und brav wirkende, aber angeblich geniale und v.a. vielbejubelte, um die Breitenwirkung des Sports bemühte Dreifach-Weltmeister und Weltranglistenerste John Higgins soll bestechlich sein (implizite Mutmaßung: Wenn der, dann wohl alle!). "Higgins", da denkt man an den englischen Oberschicht-Snob Professor Henry Higgins aus "Pygmalion" / "My Fair Lady". Oder an den korrekten, britischen Gentleman-Hausverwalter Jonathan Higgins aus "Magnum". Passt. Nur geht es hier um den Umgang mit Saubermännern statt um den Umgang mit Dobermännern. Die britische Boulevardzeitung News of the World stellte dem überraschend im WM-Achtelfinale ausgeschiedenen Snookeridol und seinem Manager, dem Funktionär Pat Mooney, eine Falle - und filmte das unmoralische Angebot mit: Als vermeintliche ukrainische Geschäftsleute traten Reporter der Zeitung auf. 300.000 Euro (nicht Pfund, hmmm!) solle der Profi bekommen, wenn er vier Frames in vier Spielen absichtlich verliere. Die Reaktion im Video scheint abgebrüht und gelassen, es geht mehr um die Frage, wie das Geld übertragen werden solle, als um das "Ob" des Wettbetrugs-Deals. Der somit im Wortsinne gesnookerte John Higgins plädiert nun greinend auf Unschuld: Er habe in der Situation schlicht Angst vor der russischen Mafia gehabt und daher "mitgespielt". Wirkt nicht so; aber unmanipuliert wirkt das Video auf mich auch absolut nicht. Grüne These: Der Skandal besteht in Wahrheit darin, dass der mühsam aufstrebende Spinnersport sich auf diese Art von den hinteren Wichtigkeitsrängen auf die Titelseiten und Aufmachermeldungen katapultiert und erst dadurch breiten Massen bekannt wird. Und dass die Nerds, die diesem langatmigen Kugelkampf huldigen, auch mal als ganz harte, zwielichtige, gar sinistre Spannungsträger dastehen dürfen. Vielleicht haben bei der News of the World auf diesen Aufmerksamkeitsschub tatsächlich einige illegal gewettet. Sie blickten dabei sicher sehr englisch drein.
Ach ja: Die WM gewonnen hat sensationeller Weise mal kein Brite, sondern ein Aussie, der blondwuschelige Dr.-Chase-Verschnitt Neil Robertson. Aber das interessiert offenbar nur die Känguruhs mehr als der Dreck im Saubersport.

Kommentare:

theM hat gesagt…

Sehr treffend beschrieben Frau E. Feu. Und da macht sich Steven Hawking noch Sorgen über eine mögliche Invasion von Extraterrestrischen? Ich kann mir zu gut vorstellen, dass selbige kopfschüttelnd sofort wieder abdrehen wenn sie mitbekommen, was für ein seltsamer Planet unsere blaue Wasserkugel dank unseres Einwirkens doch ist.

Efeu hat gesagt…

Manchmal liegen Stephen King und Stephen Haw-king eben doch nah beieinander. ;-) Was nun weder den einen auf- noch den anderen abwerten soll. Möglich übrigens, dass die Besucher von außerhalb auf unterschiedliche Orte und "Kulturen" unseres Planeten sehr unterschiedlich reagieren würden. Auf die einen mit Angst, die anderen mit Schrecken, die dritten mit Kopfschütteln, die vierten mit Langeweile. Na, vielleicht hättense auch mal was zu lachen.

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