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Freitag, 25. August 2017

Rauch kann ich auch

In einer Stadt wie Berlin gibt es nichts, was es nicht gibt. Selber brauen, selber nähen, selber fotografieren, selber alles, aber bitte immer mit fachlicher Anleitung und zertifiziert! Den Trend zum identitätsstiftenden, kreativen, pseudo-ökologischen, back-to-the-roots-mäßigen, hipstertauglichen, Hobbies-machen-glücklich-schreienden, "handgemacht ist immer qualitativ besser"-Grundsatz-gläubigen Selbstverwirklichungs-Workshop hat nun auch die Quarzerei-Branche erkannt. Ob "Namen sind Schall und Rauch" oder "Hans Dampf in allen Gassen", es geht um Expertenstandard und Fachwissen. Trotz High Tech und trotz strengerer Nichtraucherschutzgesetze: Nach Craft Beer kommen jetzt Craft Cigarettes! Und das ausgerechnet in einem Laden für E-Zigaretten:
Selbstwickel-Kurs: gesehen im Neuköllner Kindl-Boulevard
Beim "Selbstwickel-Kurs" geht es mutmaßlich nicht um Babies. Aber wer weiß.

Gewusst wie! Da nicht jeder alles weiß und manches wohl nicht (mehr) intuitiv zu sein scheint, sondern von Profis beigebracht werden und mit Zeitaufwand erlernt werden will, muss es Anleitungen für alles geben – ob auf Youtube oder in dem, was manche "das echte Leben" nennen.
Demnächst an einer Universität, Fachhochschule, Volkshochschule oder sonstigen Bildungseinrichtung Ihrer Wahl: "Einführung in die Rauchwissenschaft I: Zigaretten selbst wickeln – Geschichte, Theorie, Materialentwicklung, heutige Lebenspraxis und Forschungsstand". Tutorien und Praxisseminare sind in Planung. In einem dritten Modul gibt es dann: "Rauchen ja, aber bitte mit Öko-Siegel!", für das allerdings keine Leistungsnachweise angeboten werden. Und berufsbegleitend kann man (dank VHS und dank freikirchlichgeistiger Gurus wie dem vom oben abgebildeten Handel unterstützten) natürlich auch noch in höherem Alter einsteigen. Wenn die Lunge danach verlangt. Und man sonst kein Hobby hat.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Zitat der Woche (38)

Die besten Treppenwitze schreibt nur das wahre Leben. Am Anmelde-Tresen einer Arztpraxis wird ein Mann als neuer Patient vorstellig:
"Guten Morgen! Mein Name ist Schrödinger. Ich möchte mich bei Ihnen gerne auf Allergien testen lassen. Ich glaube, ich habe Katzenallergie."

Mittwoch, 13. März 2013

Zitat(e) der Woche (26)

Im Rennen um das Zitat der Woche sind schon zur Wochenmitte diesmal zwei Zitate, die beide durch das plötzliche Wiederauftreten von Schneemassen hervorgerufen wurden und daher hervorragend zusammenpassen. Der Redaktion war es unmöglich zu entscheiden, welches ihr Favorit ist.

(a)
Freundin der Protokollantin, frisch von München wieder nach Berlin gezogen:
"Die spinnen, die Neuköllner: in Langlaufskiern auf der Buschkrugallee unterwegs."

(b)
Biologisch einleuchtende, erklärende Warn-E-Mail eines weiteren Freundes an die Protokollantin, die bekanntlich ein gewisses, großes, wiederkehrendes Fest, das mit W beginnt (das, dessen Name nicht genannt werden darf), immer sehr fürchtet:
"Falls Du derzeit am Alexanderplatz vorbei fährst, nicht erschrecken. Durch den Wintereinbruch nach den frühen Sonnentagen hat es offenbar eine Verwirrung in der Natur gegeben. Gestern sah ich dort die Arbeiten Verwirrter, die einen Markt aufbauten. Dabei kann es sich nur um einen deutlich verfrüht aufgebauten W-Markt handeln. Vermutlich wurden die Erbauer durch den erneuten Frosteinbruch aus ihren Sommerhöhlen gelockt und begannen mit ihrer natürlichen Wintertätigkeit."

Montag, 11. Februar 2013

Zitat der Woche (25)

Die wahre Demenz Dimension erkennt ein naher Freund der Grünzeuch-Redaktion, als er die überraschende Nachricht über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. kommentiert:
"Hatte der auch in Düsseldorf promoviert? Oder nur Merkels 'vollstes Vertrauen'?"

Donnerstag, 24. Januar 2013

Zwei Experimente zum Spracheverschlagen


Personelle Interaktion, Experiment 1

Versuchsaufbau: 
Eine Gruppe aus sechs Versuchspersonen (drei Frauen, drei Männer) mittleren Alters wird nach einem gemeinsamen Kinobesuch für eine Stunde in ein abendliches Café gesetzt. Fünf der Anwesenden (alle Männer, zwei der drei Frauen) sind VolljuristInnen. Alle sitzen an einem Tisch.

Beobachtungen:
(1) Die drei Männer beginnen sofort erhitzte Streitgespräche, die sie "Diskussion" nennen.
(2) Eine der drei Frauen besteht deshalb auf einer Umsetzaktion, nach der alle Frauen an der einen und alle Männer an der anderen Seite des Tisches sitzen. Die Frauen erhalten dafür von einem der Männer den Kommentar, sie könnten sich ja "da in Ruhe über Schminke und Shopping unterhalten".
(3) Die drei Männer – alle Anwälte verschiedener Rechtsgebiete, Arbeitsbereiche und -formen (Ein-Mann-Kanzlei, mittelgroßer Familienbetrieb, Großkanzlei) –, unterhalten sich mit vollem Körpereinsatz, sehr gestenreich, aggressiv und wild durcheinander, vor allem aber extrem laut über Juristisches und ihre konkrete Arbeit. Andere Themen kommen nicht vor. Andere Menschen, etwa die Bedienung, kommen nicht zu Wort. Sie selbst auch nicht wirklich, da sie sich gegenseitig überbrüllen. Die Musik im Café ist zuerst leise, dann ganz aus, und das Café ist leer, die Lautstärke ist also nicht nötig.
(4) Das Café wird schließlich ganz leer.
(5) Die drei Frauen versuchen unterdessen, sich jenseits des Arbeitsalltages über andere Themen (zum Beispiel über den gesehenen Film, tagesaktuelle Nachrichten, Anekdoten, politische Themen oder ihnen bekannte Personen) zu unterhalten, sind dazu allerdings geräuschpegeltechnisch nicht in der Lage. Sie bitten die Männer, wenn sie schon nicht die Themen wechseln könnten, dann wenigstens nicht so zu schreien. Für eine Minute ändert sich die Lautstärke, dann ist alles wie zuvor, aber die Gesten der Männer werden ausladender. Die Frauen versuchen eine Weile weiterhin, ihre Gespräche zu führen. Sie werden nur minimal lauter, schweigen dann und gehen schließlich nach Hause.

Fazit:
Männliche Juristiden in einer Anhäufung sind nicht gesellschaftsfähig – außer untereinander. Artgerechte Käfighaltung mit Schallschutz und Sicherheitsgehege wird empfohlen.


Personelle Interaktion, Experiment 2 (noch nicht realisiert) 

Versuchsaufbau: 
Die Situation aus Experiment 1 wird in einem störfreien und größtmöglich um ablenkende Parameter verringerten Setting forciert und um die akustische Komponente beraubt: Eine Gruppe aus mindestens drei Juristen (vorzugsweise als Anwälte tätig) männlichen Geschlechts wird in einen schallisolierten, rundum durchsichtigen (am besten panzerverglasten) und mit Polsterung versehenen (um Verletzungen vorzubeugen), ansonsten aber völlig leeren Raum gesetzt und sich selbst überlassen.
Für die Analyse des Geschehens ist außerdem ein Beobachtungsteam angedacht, das mit Picknickkorb entspannt davorsitzt, sich in Ruhe und gesittet unterhalten kann, den Probanden ab und zu Nahrung hineinreicht oder deren Toilettenpausen überwacht (wird auf dem WC weiterkommuniziert?) und dabei vor allem Beobachtungen beim Geschehen im Isolationsraum notiert.
Empfohlen wird für die Durchführung etwa die Nutzung des Baby-und-Kleinkinder-Ruheraumes in dem stillgelegten, derzeit wohl noch nicht fertig restaurierten, ehemaligen Berlin-Neuköllner Erlebnisbad namens "Blubb", momentan das nichtöffentliche Hotelprojekt City Resort Berlin/Blub, das ideale Bedingungen bietet. Eventuell, falls die Anlage noch betriebsbereit ist, ließe sich noch das den Glaskäfigen vorgelagerte Babyschwimmbecken mit dem typisch urinwarmen Wasser befüllen, um dem Beobachtungsteam ein entspanntes Fußbad während der vermutlich anstrengenden Observation zu ermöglichen. Zu Redaktionsschluss lag noch keine Information des momentanen Investors vor, ob die Räumlichkeiten hierfür anmiet- oder überhaupt nutzbar sind bzw. ob die isolierten, mit Matten ausgelegten Glaskäfige noch vorhanden sind.

Beobachtungen:
Verifizert werden sollen folgende Annahmen:
(1) Die Anwälte vertiefen sich sofort in eine sogenannte "Diskussion" – trotz des unnatürlichen Umfeldes.
(2) Sie hören damit nicht freiwillig wieder auf, sondern erst, wenn das Experiment für beendet erklärt wird – vorausgesetzt, die Aufnahme und Abführung von Flüssigkeit und Nahrung sind gewährleistet.
(3) Das Schreien ist von außen auch ohne die Akustik zu erkennen, also rein in Gesten, Mimik, allgemeiner Körperhaltung und -sprache.
(4) Die Themen (Rechtswissenschaft, Rechtspraxis, ggf. Politik unter rechtlichen Gesichtspunkten) sind von außen auch ohne die Akustik erkennbar, also rein in Gesten, Mimik, allgemeiner Körperhaltung und -sprache.
(5) Es gibt eine spezifische Art juristischer Freizeitkommunikation, die sich von derjenigen anderer Berufsgruppen in deren Freizeit unterscheidet und auch optisch-nonverbal manifest wird.
Ergänzend sind folgende, offene Spezifizierungsfragen möglich und können, ggf. in einem Folgeexperiment, der Analyse zugrunde liegen:
(6) Gibt es eine spezifische nonverbale Kommunikation, die nur Juristiden (Folgefrage: nur männlichen Juristiden? Ein Gegenversuch mit juristischen Weibchen ist möglich) eigen ist? Ein optischer Vergleich zu anderen Berufsgruppen kann auch der Folgeforschung übergeben werden.
(7) Variation I: Interessant ist auch die Frage, inwiefern es eine spezifische Kommunikation von Anwälten untereinander gibt, wenn nichtjuristische Personen den Käfig betreten und versuchen, sich in das "Gespräch" einzumischen.
(8) Variation II: Außerdem interessiert die Empirie, ob die Kommunikation der Anwälte sich unterscheidet, wenn sie in demselben Käfig sich nicht in ihrer Freizeit über juristische Themen und Fälle austauschen, sondern ihre tatsächlichen Berufstätigkeiten ausüben sollen. Internetstandleitung, Telefon, Bildtelefonie, Fachliteratur etc. wären ein Minimum für die Analyse dieser sehr komplexen Variante.

Das Fazit bleibt selbstverständlich noch offen.

Für das zweite Experiment werden WissenschaftlerInnen gesucht, die sich am Forschungsprojekt beteiligen wollen. Angeraten wird ein interdisziplinäres Team aus Kommunikationswissenschaft, Psychologie, Soziologie, (Sozial-)Pädagogik, Linguistik, Kulturwissenschaft, biologischer Verhaltensforschung und unter Umständen auch Rechtswissenschaft. Interessierte melden sich bitte über das Kontaktformular rechts im Menü dieses Blogs oder über die Kommentarfunktion. Letztere steht außerdem natürlich auch gerne für weitere Anregungen und Anmerkungen zur Verfügung – auch für Angehörige anderer Personenkreise!
Arbeitstitel:
"Nonverbale Kommunikation innerhalb der eigenen Peer-group-Teilöffentlichkeit am Beispiel von Anwälten in ihrer Freizeit: öffentlichkeitswirksame, optisch handlungsaktive oder -suggestive Manifestationen juristischer Gesprächskultur. Gestik, Mimik und allgemeiner Habitus bei mittelalten Männchen. Ein empirisch-analytisches Käfigexperiment unter interdisziplinären Gesichtspunkten."

Sonntag, 22. April 2012

Zitat der Woche (10)

Entsetzter Ausstoß eines befreundeten frischgebackenen Promovierten (also eines als zur Bildungselite und zum Wertekonsens zugehörig Zertifizierten) nach einer, wie üblich, wahnsinnig niveauvollen Äußerung der protokollierenden Autorin:
"Oh nein! Ich kenne sie schon zu lange! Ich lache über ihre Witze! Nach einer Weile fängt man an, das lustig zu finden?? Verdammt." 

Dienstag, 20. April 2010

Schwanensee

Hat die Berliner-Dialekt-Aktion doch gewirkt? Sie haben mich: Immerhin in den (noch lausiger als die Papierversion redigierten) Online-Archiven der B.Z. klicke ich herum! Und schäme mich ein bisschen.
Und sperre diverse Körperöffnungen auf - u.a. angesichts eines dortigen Interviews mit Gesine Schwan. Unser aller Gesinchen, menschgewordene Hochsteckfrisur, Dauersmiley, Hochschulpersönlichkeit, Vorzeigeintellektuelle, prominente Nase, SPD-Seeheimer-Konservative, Wissen(schaft)sbank und Polenspezialistin, die dereinst schon auch mal ihren blockseminarerschöpften Politik-Studis Selbstgekochtes à la "dampfende Suppe für rauchende Köppe" in abgelegenen Dahlemer FU-Dachstuben ausschenkte, ehe sie zur "Europa-Universität Viadrina" nach FFO fremdging, bereicherte - naja, wertfreier: ergänzte - die politischen und philosophischen Debatten in Deutschland nicht zuletzt als zweifache (und zweifach gegen Hotte Köhler unterlegene) Bundespräsidentschafts-Kandidatin; zuletzt aber als Polenbeauftragte der letzten Bundesregierung. Natürlich hat man sie nun als Expertin und Sich-gern-zu-Wort-Melderin zur polnischen Flugzeugabsturzkatastrophe befragt, durch die nicht nur Präsident Lech Kaczynski ausgelöscht wurde. Immer und immer wieder. Und Schwan antwortete, immer und immer wieder. In den meisten Medien, ob gedruckt, in Ton & Bild oder zum Klicken, äußerte sie sich auch betont sachbezogen und weltfrauisch. Wohl nur Boulevard-Zeitungen sagt frau aber auch mal so missverständliche Sätze (falls dieser nicht springeresk hineinerfunden wurde) wie: "Ich hoffe, dass dieses Unglück nicht die etwas problematische Tradition bestärkt, Polen in einer Märtyrerrolle zu sehen. Zu denken, dass man einmal mehr das unschuldige Opfer von irgendetwas geworden ist, führt weder menschlich noch politisch weiter." - Aua. Komisch, dass daraufhin noch keiner den sterbenden Schwan getanzt hat.

Sonntag, 21. Februar 2010

Zitat der Woche

Nicht immer muss der Dalai Lama herhalten für wohldosierte Alltagsweisheit und Lebensphilosophie. Man hat auch Freunde. Folgende Tiefgründigkeit will ich euch nicht vorenthalten:
"Akkordeon ist wie Soziologie – kein Mensch braucht es."
Auf Nachfrage wurde näher präzisiert: Es ging natürlich um das Akkordeonspielen, nicht gegen das Akkordeon selbst, denn "es ist an sich ja ein schönes Instrument und kann nichts dafür." Oh, na das ist gut zu wissen. Wie es sich damit bei der Soziologie verhält, hat das Orakel allerdings für sich behalten.

Freitag, 29. Januar 2010

Hedera helix heilt

Es kann - ganz beiläufig, uneitel, selbstverständlich, sachlich und tonlos, versteht sich! - gar nicht genug nochmals auf etwas hingewiesen werden, was schon seit November des vergangenen Jahres (somit vor Ablauf der "Nuller-Jahre", in einer anderen, längst vergangenen Ära also) feststeht:
Efeu wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gewählt!


Getan hat dies, wie seit 1999, der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" in Würzburg. Berichtet hat es dagegen so ziemlich jede geo-bio-pharma-medizinisch-sonstwas-interessierte Fachstelle. Interessiert hat es vermutlich nur mich: Ein wenig mischen sich Stolz und Verlegenheit. Efeu kann hochgiftig sein (roaaaarrrr!), aber auch hochheilsam, und dies sogar nachgewiesen: z. B. bei Bronchitis, Keuchhusten (sic!) und anderen Atemwegserkrankungen. Dabei hält doppelt besser: Schon vor Jahren schenkte mir ein Freund Dragees mit Efeu-Extrakt und der Aufschrift "schleimlösend" - sowie mit der von breitem Grinsen begleiteten Bemerkung: "Hier - falls dich mal wer vollschleimt!"

Grüne Grüße von Frau Feu
(unschleimig und apothekentauglich)
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