Posts mit dem Label Jubel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jubel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 1. Januar 2016

Der Himmel über Berlin II

Neujahrsvorsatz: Grünzeuch-Blog wiederbeleben. Na dann! Frau kann ja nicht alles von dem Kram immer ignorieren. Und besser bloggen als abnehmen, reich werden, die Welt retten und all die üblichen, ähnlich schnell umsetzbaren Dinge – wenigstens lässt sich Bloggen sofort zum Jahresbeginn abhaken.

Nicht immer sind Himmelsbilder a) astronomisch, b) astrologisch oder c) kitschig. Manchmal sind sie stattdessen auch einfach erschreckend – und das in Berlin sogar ganz ohne Terrorwarnung und dank absolut nicht unbekannter Flugobjekte:
Silvesternacht 0.30 Uhr Kreuzberg aus dem 3. OG fotografiert
Dicke Luft: Kreuzberg 61 versinkt im Nebel.
Hier sind die dichten Schwaden über dem Viktoriapark noch Böller,
nicht wie am nächsten Morgen "echtes Wetter".
Wie schön! Wie poetisch! Wie aussagestark! Immer wieder traumhaft, berückend und berührend, wie alle sich den Rest des Jahres um Frieden und Finanzen Sorgen machen, um dann zu Silvester richtig begeistert Krieg zu spielen und dafür je ein Monatsgehalt sowie in manchen Fällen auch Autos, Wohnungen, Trommelfelle und Finger in die Luft zu jagen.

Folgerichtig taucht der Neujahrstag nun in passender Witterung ab. Nachdem die letzten Wochen des alten Jahres noch gruselig frühlingshaft anmuteten, Blüten sprossen, Bienen schlüpften, Hipster vor den Bars draußen saßen und all dies den letzten Skeptiker vom Klimawandel überzeugte, sind nun punktgenau Schneeregen, Kälte und ja, inzwischen auch wahrhaftiger, richtiger Nebel über Berlin hereingebrochen. Hoffentlich kein schlechtes Omen, auch wenn sich heute manch einer benebelt fühlen mag.

Allen LeserInnen ein gesundes, knallermäßiges, raketenstartiges, angstfreies und gar nicht nebulöses 2016!
Viel Glück – und das sogar null ironisch! (Foto: kaleen/pixabay)

Mittwoch, 16. Juli 2014

Zitat der Woche (33)

Später am Tag des Nationalmannschaft-Empfangs zum Sieg der Fußball-WM tanzt ein versprengter, später, schwarz-rot-golden dekorierter Fan über den Mehringdamm und singt zur Melodie des "Schunder-Songs" von den "Ärzten":
"Immer mitten in den Messi rein ...!"

Sonntag, 26. Januar 2014

Mach Männchen!

Ignoriert wurde das Weltgeschehen. Elegant drückte sich das Grünzeuch durch vornehme Zurückhaltung diesmal auch um jedweden Ekel-Antihaltung-irre-werd-Post mit dem Label "W**********" herum. Unfassbar, wie lange hier Kreativitäts-Auszeit herrschte! Da das natürlich gar nicht schön ist, soll der spät, aber umso heftiger eingetroffene Winter – jaja, der Klimawandel – nun wenigstens ordentlich kontrastieren damit, dass man beim letzten Eintrag noch sommerlich draußen sitzen konnte. Weil bei minus 17 Grad das Hirn unterkühlt bleibt, bedient sich die Redaktion dazu der Kreativität anderer:
Falls es aus dem Größenverhältnis zu den Grashalmen nicht hervorgeht: Wahre Größe kommt von innen! Auch bei Schneemännern, naja, -männchen. Also, liebe Leserinnen und Leser: Auf, auf! Solange noch Restschnee liegt, lasst eure Skulpturenträume raus! Das Männchen braucht ein Weibchen. Oder viele. Und Kumpels.

Montag, 1. April 2013

GRimme all your lovin'

Das Grünzeuch ist für den Grimme Online Award 2013 nominiert! Ein herzliches Dankeschön an die/den unbekannte/n LeserIn, die/der das Onlineformular der Nominierungskommission genutzt hat! Wie auch immer die Ehre zustande kam (wahrscheinlich nur, weil es für das Einreichen von Vorschlägen ein Smartphone zu gewinnen gab) – da leuchtet dieses Blog doch freudig in wetterunabhängigem Neongrün. Nicht, dass die Redaktion sich Hoffnung machen würde, im Mai bei der Bekanntgabe der Favoriten dabei zu sein. Aber dieser Schritt ist doch auch schon schön. Als Nominierung angenommen wurde das chlorophyllhaltige Netzangebot für seinen spezifisch unkrautigen publizistischen Grünblick und insbesondere für die beiden Rubriken mit den Labels "babylonische Sprachverwirrung" und "Zitate". Was denn, endlich findet jemand Klugscheißern, Rumalbern und Lästern über Sprache, Schreibfehler, Zeichenhaftes, Aussagekraft, Un- und Missverständnisse nicht nur öde, obsolet und nervig? Es geschehen noch Zeichen (sic!) und Wunder. Hach. Das Grünzeuch im weiteren Verlauf der Preisfindung noch unterstützen kann man mit diesem Klick. Freudigen Ostermontag der ganzen Leserschaft!

Samstag, 9. März 2013

Die oberen Zehntausend

Schon die/der tausendste Besucher/in war der Redaktion ja entwischt – und hat sich auch trotz eines Aufrufs mit Preisauslobung von sich aus nicht gemeldet. Vielleicht auch nachvollziehbar. Daher spart sich das gesammelte Grünzeuch nun die Auslobung von zehn grünen Lollis für die oder den Zehntausendste/n auf diesem Blog und freut sich einfach still. Naja, mehr oder minder still. Große grüne Grüße: Danke für eure Besuche und teils auch große Treue! Zur Gratifikation wird künftig hoffentlich wieder häufiger etwas hier veröffentlicht. Schon allein aus Trotz, weil Bloggen inzwischen so out ist. Schön wäre vice versa dann auch wieder mehr Feedback via Kommentarfunktion statt E-Mails oder Schweigen im Walde.
Übrigens: Wer zu den ersten 10.000, die sich hier aufmerksam tummelten, dazugehörte, kann auch sicher sein, im Internet zur geistigen Elite zu gehören ... öhöm (komisch, ein Hustenreiz! Ist eben doch noch Winter).

NB: Die Angaben beziehen sich nicht auf das Zählwerk ganz unten auf dieser Seite – die derzeit bald 25.000 Rankenraschler sind die absolute Klickzahl –, sondern auf den eingebauten Pflanzenwachstums-Counter am rechten Rand in der Menüleiste, ebenfalls ganz unten. Dieser zählt nur "echte" Zugriffe; also die, die nicht gleich wieder wegklicken, und die, die nicht gerade erst kurz davor schonmal da waren.

Samstag, 5. Januar 2013

B-Ware ... of 2013

Vorsicht vor dem bissigen Hund? Nein: Achtung, 2013 ist da! Ein quietschbuntes (für Schwaben: schee bont!) Graffito warnte – zumindest aufmerksame U-Bahn-NutzerInnen – schon zur Jahreswende, dass da womöglich nicht nur Gutes wartet. Wenn man die Fratzen aufmerksam studiert, scheint sogar Adolf Hitler wieder mal zurückzukehren. Ach, papperlapapp. Das Grünzeug wünscht seinen LeserInnen ein gesundes, gutes, zufriedenes und buntes, vor allem chlorophyllgrünes Jahr.
Watch out! Ist für 2013 die Uhr aus oder der Ofen? 
Update 6.1.: Auf vielfachen Wunsch ;-) wird dem visionistischen Graffitikünstler jetzt in besserer Qualität gehuldigt. Draufklicken vergrößert übrigens das Foto.

Sonntag, 15. Juli 2012

Zitat der Woche (16)

Familienmitglied der Protokollantin, frisch heimgekehrt und begeistert vom Hip-Hop-Festival "Splash":
"Derbe Kacke Alter, der Shit rockt tight!"

Donnerstag, 5. Juli 2012

Grüner hören

In eigener Sache weise ich auf Folgendes hin: Auf der Musikseite Last.fm (für die ich an dieser Stelle aber absolut keine Werbung machen möchte, ich distanziere mich selbstverständlich auch von allen dortigen Inhalten außer von meinen höchst eigenen, etc. pp. ff. blabla!) bloggt dit Feu seit einiger Zeit ab und zu auch über ausgewählte besuchte Konzerte. Warum ein grünes Spin-Off und warum dort? Da auf besagter Seite automatisch der Link zur jeweiligen Veranstaltung, teils mit Infos dazu, gesetzt wird, schien es leichter, das dort zu tun. Außerdem passen die Musikkritiken hier ins restliche "wuchernde Unkraut" des Grünzeuchs nicht so recht hinein.
Bisher besprochen wurden: Bobo in white wooden houses, Watcha Clan, Max Raabe & das Palast Orchester, Camille O'Sullivan, Katzenjammer, The Red Hot Chili Peppers, Poutrelles Fever, Malediva, Ganz Schön Feist, Shantel und Metric. Fortsetzung folgt, einfach ab und zu mal schauen. Klassikkonzerte bleiben aus verschiedenen Gründen wohl weiterhin eher ausgeklammert; aber mal sehen.
Das grünliche Gedudel findet ihr bei Interesse mit diesem Klick oder da---->
am rechten Rand im Menü, unten, verlinkt unter "andere nette Gewächse" (auch wenn es zugegebenermaßen eigentlich kein anderes ist; oder zumindest kein nettes; aber dafür wenigstens ein Gewächs). Zumindest dann, wenn die Roll-L(e)iste seltenerweise nicht bockig ist und mal schlichtweg funktioniert. Das soll es geben. Manchmal. Gerüchtehalber.
Warnung: In Efeus Konzertblog warten (natürlich ganz subjektive) Berichte auf euch, keine Konzertfoto-Kolonnen! Denn - nota bene! - knipsen können andere besser und Frau Feu genießt lieber den Moment, als sich diesen durch dauerndes, wahnhaftes Alles-in-Bild-und-Ton-festhalten-Müssen zu zerstören. Viel Spaß! Oder aber Entschuldigung.

Nachtrag: Kommentare sind übrigens nicht nur hier, sondern auch dort gern gesehen.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Crossroller

Wenn das mal keine Idee ist: Endlich lassen sich Fortbewegung und Ganzkörpertraining verbinden! Wer sich im Fitnesstudio schon immer geärgert hat, dass man dort Stunden vergeudet, ohne vom Fleck zu kommen, bekommt hier – für ein Vermögen, versteht sich – die Lösung. Eine Kreuzung aus Roller, Fahrrad, Stepper und Crosstrainer sieht so aus: 
All in one an der Bundesallee: sportives Crossrollerdreirad.
Fit für die Straße? Oder zumindest den Radweg? Ok, denkbar ist, dass man bei der Nutzung ein ganz kleines bisschen bescheuert angeglotzt wird und es minimal peinlich wirkt. Aber wen kümmert das, wenn es um Schönheit, Kraft und Ausdauer kombiniert mit maximalem, profanem Alltagsnutzen und Umweltverträglichkeit geht? Die formale Verkehrssicherheit mit Beleuchtung etc. ist der Autorin im Übrigen ebenso unklar wie die Frage, wie man mit den beim Crosstrainer entlehnten Armhebeln nicht nur schwenkt, sondern auch lenkt. Aber irgendwas ist ja immer.

Für das schlechte Foto durch eine Glasscheibe hindurch entschuldigt sich die radelnde Reporterin übrigens; aber die Inhaber oder Angestellten des teuren Designer-Lifestyle-Ladens mussten nicht unbedingt mitbekommen, dass ihre "Auslage" amüsiert abgelichtet wurde. Schon allein, um Marketingstreits oder gar ein Verkaufsgespräch zu vermeiden. Außerdem soll man ja nicht bremsen, was einmal ins Rollen gekommen ist.

Sonntag, 27. Mai 2012

Fishing for complications

Ein kulinarischer Kreativitäts-, Flexibilitäts- und Originalitätspreis (leider mit null Euro dotiert; aber es gibt ja zumindest hier Ruhm und grüne Ähre - es sei denn, man findet das Folgende auch ein wenig albern, die Gastrokritikerin ist noch hin- und hergerissen...) geht an das kleine, französische Restaurant "Bardeau" in der Schöneberger Nollendorfstraße. Es löste eine interessante Aufgabenstellung, die eigentlich so ernst gar nicht gemeint war.

Hintergrund: Eine Freundin hatte zu einem Abendessen im kleinen Kreise eingeladen und eine Menüfolge bestellt. Für die Autorin dieses Blogs erbat sie eine Extranichtwurst. Am einfachsten und auch lecker wäre die vegetarische Variante gewesen. Aber nein, der Piscetarierin wollte die Gastgeberin Luxus kredenzen: So sprach sie. Und es ward Fisch. Nicht allerdings ohne ihren Hinweis, dass diese schwierige Person, die es zu bewirten galt, Fisch eigentlich nur dann gerne esse, wenn er "sie nicht mehr anschaue" [Anm. d. Red.: Das stimmt]. Diese Hürde nahm das Restaurant wörtlich und mit diesem Ergebnis:

Das fischt mich nicht an.
Die Skulptur ergab Dorade an Spargel und anderen Leckerlis; Kopf und Schwanz bzw. Flossen waren abgetrennt und auf dekorative, bildnerische Weise (das Lokal versteht sich auch als Kunstgalerie) mit in Form gebackener Blätterteigpastete und Zitrone ergänzt. Woraus das "Auge" war, ließ sich nicht herausfinden.
Nach dem ersten Lachen lautete das einhellige Urteil: Niedlich! Aber guckt er jetzt nicht erst recht um Gnade flehend? Ach was, das Knopfauge ist ja nicht echt, da kann man sich prima in die inkonsequente Tasche lügen. Hach. Toll!

Sonntag, 1. Januar 2012

Guckidaaa, 2012! / Ergebnisse der Umfrage 5: "Welche Rolle spielt für euch Weihnachten?"

Zunächst einmal allen Grünzeuch-LeserInnen ein gutes, gesundes, glückliches, genehmes, gelungenes, goiles, geniales und vor allem grünes 2012! Nehmt euch Zeit für wirklich Wichtiges. Dazu braucht ihr keine besinnliche Jahreswende. Und prost Neujahr! Stoßt mit was Grünem an! Von Grüntee über Pfefferminzlikör oder Berliner Weiße mit Waldmeistersirup bis Absinth ist alles erlaubt.


(Sorry für den fetten Rahmen, eine Sache des Copyrights.)

... und dann war da noch:

Zum Jahresende wollte die Grünzeuch-Redaktion die Haltung der LeserInnen zum W[zensiert]-Fest wissen. 17 Blog-Besucherinnen und -Besucher nahmen an der Umfrage teil und stimmten eifrig zwischen verschiedenen Einstellungen zum W-Dings ab. Ihnen gilt ein herzlicher, leuchtgrüner Dank! (Es hätten bei so vielen Klicks aber ruhig auch von ein paar mehr Leuten Kreuzchen gemacht werden dürfen. Umfragen beißen nicht und sind anonym!) Welche Rolle spielt also Wwwwww... für die Leserschaft? Da das Verhältnis zwischen Mensch und Tanne manchmal ambivalent ist, waren Mehrfachantworten möglich.

Antworten:

01. "Die schönste Zeit des Jahres!"
0 Befragte 

02. "Für mich: keine. Für den Rest der Welt: eine zu große."
2 Befragte (11 Prozent)

03. "Naja, muss man durch..."
5 Befragte (29 Prozent)

04. "In erster Line Stress!"
1 Befragte/r (5 Prozent)

05. "Der Konsumterror und die Erwartungshaltungen sind abartig, der Rest ist nett."
7 Befragte (41 Prozent)

06. "Eine Gelegenheit für Zusammentreffen, Ruhe, Einkehr, Schenken und Gemütlichkeit."
9 Befragte (52 Prozent)

07. "Ich hab frei. :-)"
6 Befragte (35 Prozent)

08. "Fressen und saufen."
4 Befragte (23 Prozent)

09. "Glühwein, Maronen und Lebkuchen."
7 Befragte (41 Prozent)

10. "Verlogenheit, Enttäuschung und Streit."
0 Befragte

11. "Neben Ostern das wichtigste christliche Fest - hallo, Jesus wurde geboren!?"
5 Befragte (29 Prozent)

12. "Ich kriege Wünsche erfüllt."
0 Befragte

13. "Ich krich grüne Ekelpickel!"
2 Befragte (11 Prozent)


Was lernt uns dem?

Auch wenn die zwei solidarischen Antworten für grüne Ekelpickel es vermuten lassen würden: Das Efeu betont übrigens, dass es selbst an der Umfrage nicht teilgenommen hat. Das hätte doch die wahnsinnige Repräsentativität und den hohen wissenschaftlich-statistischen Anspruch gefährdet. ;-)

Deutlich wird: Positives und vor allem Leckeres überwiegt! Die meisten Stimmen entfielen auf Antworten, die sich um Schönes, gutes Zwischenmenschliches sowie Kulinarisches drehten. Wenn man "fressen und saufen" nun wertfrei miteinbezieht.

Die höchste Zustimmung erhielten jedenfalls Feststellungen wie "Der Konsumterror und die Erwartungshaltungen sind abartig, der Rest ist nett" und "Eine Gelegenheit für Zusammentreffen, Ruhe, Einkehr, Schenken und Gemütlichkeit", wobei wohl auch Schulterzucken, Resignation und Pragmatismus ("Naja, muss man durch" und "Ich hab frei") eine Rolle spielen.

Erstaunlicherweise erhielt die oft verlautende Kritik bzw. Skepsis, das W-Dings sei nur verlogen, geheuchelt und bedeute Streit, keinerlei Zustimmung. Nun kann spekuliert werden, ob die wahren Einstellungen im Inneren anders aussehen und hier die Anonymität sie zutage förderte; oder ob das unkrautige Grünblog von solchen Gebeutelten nicht (oder nicht im Umfragezeitraum) besucht wurde; oder ob diejenigen, die es betraf, in so negativen Gefühlen durch den Dezember waberten, dass sie nicht einmal abzustimmen vermochten bzw. bei etwas, das sich um W-Dings drehte, gar nicht erst hinlesen wollten.

Interessant ist auch, dass niemand Wünsche erfüllt bekommt. Arme Leserschaft! Eiii, eiii! (Ach nee, das ist Ostern.) Vielleicht hätte die Aussage auch mehr Klicks erhalten, wenn sie "Ich kriege Geschenke" statt "Ich kriege Wünsche erfüllt" gelautet hätte. Zumal das sogenannte Schrottwichteln dem Hörensagen nach in den letzten Jahren immer mehr Zuspruch verzeichnet - was soziologisch wie psychologisch zu analysieren wäre und was auf tiefe Enttäuschungen einer materiellen Welt hindeutet. Wobei die Autorin darauf hinweisen möchte, dass man in Berlin eigentlich "Julklapp" sagt statt "Wichteln", warum auch immer wir hier so schwedophil sind.

Das Grünzeuch wünscht allen Bloggästen genug Glühwein, Maronen und Lebkuchen (auch noch nach W... W.... Www-nadingshalt, da es diese Leckerli einfach gemütlich-winterlich findet) und einen schönen, gesunden restlichen Winter!

Donnerstag, 4. August 2011

Die Wahl der Qual

Massiv umhergeklebte Wahlplakate stimulieren schon wieder glamourös den Würgereiz. Im bekannten Overkill-Stil ereilte ab Startschuss binnen 24 Stunden die zahlenmäßig rekordverdächtige Frontaloffensive sämtliche Berliner Laternenmasten. Und das nicht nur frontal, sondern auch, äh, rektal. Auf jeden Fall offensiv.

Unverständlich bleibt, warum Wahlwerbung immer so phantasielos sein und oft auch so dilettantisch aussehen muss. An der Stelle der diversen Parteien würde das Grünzeuch die eine oder andere Werbeagentur ja nicht nur nicht entlohnen, sondern am besten gleich verklagen. Zum Beispiel für verschlimmbesserndes In-Szene-Setzen ohnehin schon schrecklicher Fratzen oder für dumme, respektive unfreiwillig komische, Slogans. Ganz weit vorne war bisher ja die CDU mit dem inzwischen nachgebesserten Plakat, das sich las wie: "Die 100 Probleme von Berlin – [sind] Frank Henkel."

Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels!
Bisheriger Favorit auf den - tatsächlich! - Originalitätspreis:
Die Zielgruppe ist klar. Hauptsache, sie lacht.

Montag, 23. Mai 2011

Brutale Berliner Bronx II

Berliner Bezirke wandeln sich. Aber die Wilmersdorfer Witwen dulden keine Ghettoisierung, keine Drogen, keinen Schmuddel, keine Sprayer und keine Graffiti. Leider nur sehr temporär war daher das schüchtern seitlich auf die glänzend weißen Fliesen aufgebrachte, riesige, wunderschön quietschbunte, gute Laune machende, LSD-Trip-artige Kunstwerk im U-Bahnhof Blissestraße:

Sonntag, 22. Mai 2011

In würdigem Rahmen aus demselben gefallen

Plakate, verzierte Wartehäuschen & Co. locken doch im Internetzeitalter keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Also wirklich. Das ist doch von gestern. Wer soll da noch einen Huch-Effekt erzielen?
So sei es! Einen privaten, leider mit null Euro dotierten (geschweige denn mit Trophäe, Urkunde oder Festveranstaltung zelebrierten) Grünzeuch-Werbepreis erhielten die Agenturen McCann Erickson / Jost von Brandis für innovative Ideen bei traditionellen Werbemitteln im Auftrag der Bremer Brauerei Beck's. Unter anderem nämlich für sowas, das nur wenige Tage in Berlin zu sehen war, ehe allerorten der Sturm es ohnehin zerlegte: 

Dienstag, 17. Mai 2011

Efeuvision Song Contest

Auch dieses Blog muss sich ab und an mit irrelevanter, mainstreamiger Populärkultur befassen (es tut dies natürlich sehr, sehr ungern):

Beim Eurovision Song Contest, besser bekannt immer noch als der Grand Prix de la Dingsda, haben 2011 angeblich einige einiges gezeigt. Die Eurovision hat gezeigt, dass sie tatsächlich ab und zu mehrere hörenswerte und auch stilistisch unterschiedliche Titel hervorbringen kann. Europa hat gezeigt, dass es locker und offen ist, dass es seine Definition nicht so eng sieht und der Ex-Ostblock getrost die EU-Mitgliedschaft beantragen kann, versuchen kann man's ja mal, mit Unterstützung der Nachbarn vielleicht. Außerdem hat Europa gezeigt, dass es null Geschmack hat. Dass gute Musik oder aber partytaugliche Disco schon im Halbfinale zugunsten austauschbaren Matsches rausfliegen (schade z.B. um Belgien, Türkei und Armenien) oder dann in der Schlussrunde keine Mehrheiten finden - mit einzelnen Ausreißern. Aserbaidschan hat gezeigt, dass es weiß, wie Kitschindustrie funktioniert. Deutschland hat gezeigt, dass es Superlative kann. Dass es technisch und organisatorisch fit ist, und zwar nicht nur in der Rüstungsindustrie. Angeblich auch, dass es nicht nur zum Anlass "Fußball" ein Partyvolk ist. Lena hat gezeigt, dass sie singen und Englisch gelernt hat und jetzt Vollprofi ist; womit sie aber die naiv-unbekümmerte, natürliche Bühnenpräsenz verloren hat, die ihren Erfolg begründete. Anke Engelke hat gezeigt, dass es Vorteile hat, mehrsprachig aufzuwachsen. Der NDR hat gezeigt, dass er Multitalente hat. Und RSSR, Rampensau Stefan Raab, hat gezeigt, wann man besser einfach mal die Fresse hält. Und was man aus "Satellite" Gutes, Rockiges machen kann.



Viele sind ja nach dessen Auftritt im Rahmenprogramm der Meinung, wir sollten nächstes Mal Jan Delay zum ESC schicken. Die Autorin steht dem Mann zwiegespalten gegenüber. Der Fischkopp ist sicherlich ein Charakterkopp. Einfach 'ne coole Sau. Er macht gute Musik und Stimmung. Aber das Efeu persönlich hat so Stimmen, die es nicht mag; die von Jan Delay gehört dazu. Das Genäsel nervt einfach, inklusive der Tatsache, dass es irgendwie schade ist, wenn man von guten Texten dann nichts verstehen kann. Andererseits amüsiert die Vorstellung, wie es wohl für die internationalen Gäste war, die lässig groovende Pausenshow zu hören, zu sehen und zu mögen, sich aber, gut ausgestattet mit einem deutschen Wörterbuch oder einem akustischen Vorab-Briefing durch eine Lern-DVD, die ganze Zeit zu fragen: "Welche Sprache is'n das, zum Geier!?" (diese Frage darf im Kopf gern in beliebige europäische Sprachen sowie Russisch, Türkisch, Hebräisch, Arabisch, ... übersetzt werden).

Die Autorin ist vielmehr dafür, 2012 Ina Müller zum ESC zu entsenden. Am besten mit einem Text auf Plattdeutsch, das gäbe auch Folklorepunkte (hier würde sich das Ganze folgerichtig eventuell sogar als Soul-Funk-Duett mit Jan Delay anbieten, Duette gehen immer, q.e.d.). Die Dame als Jury-Präsidentin war ein Grund, die Veranstaltung zu mögen. Und das, obwohl sie auch nicht immer einen treffenden Musikgeschmack hat (leider ebenfalls q.e.d.). Eine andere Variante wäre Stefan Hantel, besser bekannt als Shantel. Internationale, tanzbare gute Laune mit Ohrwurmeffekt – und Punkte gäbe es sicher auch vom Balkan, den ehemaligen SU-Ländern, Israel, Rumänien, Türkei, ...! Ach nein, die Idee wird nichts, mehr als sechs Leute auf der Bühne sind ja nicht erlaubt.

Im Folgenden eine grüne Vorschlägeliste, Pi mal Daumen, wie das Finale diesmal z.B. ausgegangen wäre, wenn die Welt gerecht wäre (Diskussion gern via unten verfügbarer Kommentarfunktion).

Die Top Ten (Geschmacksurteil abgewägt mit Grand-Prix-Stil-Kriterien): 1. Serbien, 2. Italien, 3. Moldau, 4. Deutschland, 5. Estland, 6. Schweiz, 7. Georgien, 8. Irland, 9. Island, 10. Ungarn.

Schleimig-gestrige Boybands und Schnösel sowie Heulbojen bitte nach hinten. Auf die letzten drei Plätze Griechenland für absolut unterirdisch schlechten, unfreiwillig komischen Rap in berechnender Schmalzfolklore-Kombi, Russland für schmierige Retorte und Spanien für komplette Belanglosigkeit.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Die Eleganz der Fruchtfliegen

Wie sehr doch die Mehrheitsmeinung eigenes Empfinden und Urteilen indoktriniert! Eigentlich sind sie ekelhaft. Widerliche Biester. Lästig. Ein Haushaltsalptraum, wenn auch weniger nachhaltig als beispielsweise Mehlmotten. Man darf sie nicht mögen: Frucht- oder auch Obstfliegen bzw., offiziell-biologisch, Taufliegen (mit dem gedachten Trennstrich nach dem U, nicht nach dem F, Tauf-Liegen empfiehlt sich in geweihten Becken).

Bei näherem Betrachten und Bedenken stellt sich allerdings die Frage, warum. Und ob wir da nicht einem alltäglichen Rassismus aufsitzen, der uns beispielweise eine Hummel knuffig, eine Libelle anmutig und einen Schmetterling hübsch finden lässt - während ebendiese doch, genauer betrachtet (mindestens von ihrer Unterseite her), auch nicht gerade KandidatInnen für Heidi Klum sind und mindestens die beiden Erstgenannten einem auch Schaden zufügen können.

Drosophila melanogaster hingegen sollte uns eine Freundin sein; altvertraut und ans Herz gewachsen, seit wir sie (meist in der 10. Klasse) im Biologieunterricht kreuzen sollten - sei es real oder nur auf dem Papier -, um die Mendelschen Regeln der Genetik bzw. Vererbung zu verstehen und anzuwenden am Beispiel "rotäugig und langflügelig" versus "weißäugig und kümmerflügelig".
 Wer nun ein einziges Mal - aufmerksam, empathisch, offenen Herzens und erkennend - unter dem Mikroskop in ihre in der Gefangenschaft gramgezeichneten und beschämten, vielleicht auch dadurch rotgeweinten Augen geblickt hat, erkennt diesen Ausdruck mit konzentriertem Hinsehen und gut angepassten Kontaktlinsen auch ohne weitere technische Hilfsmittel ein Leben lang stets wieder, wenn er sie irgendwo sitzen sieht: auf dem Obst, dem Gemüse, der Mülltüte, der Wand oder dem Schrank. Diesen tief ins Herz zielenden, von elegantem Pseudowimpernaufschlag begleiteten Blick kann man nicht vergessen, zeigt er doch ihr tiefes Leid gesellschaftlich geschmähter, niederer Existenz, die nur durch Nutzen für die Forschung Bestätigung erfährt, bei gleichzeitig bewundernswerter Genügsamkeit und Anpassungsfähigkeit. Bei manchen soll es Liebe auf den ersten, glasigen Augen-Blick gewesen sein. Keine Liebe, die glücklich verlaufen wird, lebt doch ein Mensch meist deutlich länger. Auch wenn es einem bei der Fruchtfliege gelegentlich nicht so vorkommt.
Ich schau dir in die Augen, Kleines.
Zur Genügsamkeit und Anpassungsfähigkeit gesellen sich bei Drosophila (nach der Schlechtschreibverform nun vielleicht Drosofila - ein lukrativer Werbevertrag für Sportschuhe würde winken, speziell, da es sechs Füße zu bestücken gäbe - hätte sie derer nur nicht so unkompatibel kleine! Aber vielleicht lässt sich da genetisch was machen, Mutation für Fortgeschrittene) noch weitere sehr bewundernswerte Eigenschaften.

Ihr kurzes Leben und ihre gesellschaftliche Ächtung nimmt sie als Schicksal hin und macht das Beste daraus. Begleitet wird dies von einer sogartigen, intensiven und darin ostseegleich schönen Melancholie, die die Erkenntnis der ungeheuer rapiden eigenen Vergänglichkeit mit sich bringt. Der Name "Taufliege" trifft, denn sie vermittelt dieselbe Mischung aus Leichtigkeit, Neuerschaffung und Beschwernis. Die Fruchtfliege leidet nicht. Sie ist. Und isst. Sie stirbt ruhig, wartend, würdevoll; summt nicht dramatisch herum oder zappelt auf dem Rücken, sie sitzt still und hört einfach auf zu leben. Sie erschafft Populationen, ja ganze Staaten, in Windeseile. Gleichsam ignoriert sie ihn, den Wind, und macht auch keinen. Die Schwerkraft hat sie überwunden. Ihre anmutige Geschwindigkeit sowie komplette Geräusch- und Mühelosigkeit, mit der sie scheinbar körperlos aus dem Stand heraus abhebt und in einem rotäugigen Blinzeln eine große Strecke zurücklegt, in ebendiesem Stil auch wieder irgendwo landet, vermittelt fast den Eindruck des Beamens, neppt die menschliche Wahrnehmung und ist nur mit purer Eleganz zu beschreiben. Die Stille, mit der ihr Leben vonstatten geht - sei es im Essen, Lieben oder Sterben -, beeindruckt. Mit ungeheurem Instinkt und lautloser Zielstrebigkeit findet sie alles vermeintlich Essbare und verwandelt es gemeinsam mit ihren Brüdern und Schwestern im Essensprozess kreativ in etwas anderes, führt es in einen neuen Seinszustand über, skulpturiert es. Drosophila macht Kunst und ist immer in Bewegung. Selbst wenn sie stillsitzt. Es bewegen sich dann ihr Geist und ihre karmaseitig hell leuchtende Seele. Das Denkwerk, drosophilosophische Theorie, ist leider nie überliefert worden, da sich niemand die Mühe macht, ihre geräusch- und gebärdenarme Sprache zu lernen, und abstrakt oder telepathisch kein Mensch je ihre Ebene erreichte.

Dienstag, 24. August 2010

Vom Feuern und Feiern

Es sollte das letzte open-air-taugliche Berliner Wochenende werden. Ob das stimmt, warten wir erstmal ab; der durchschnittliche Wetterfrosch kann sich schließlich nicht mit Oktopus Paul messen. Auf jeden Fall wurde es meinerseits desbezüglich genutzt - und hätte darin kontrastreicher nicht sein können.

Bereits zum 12. Mal gab es im Britzer Garten, den der echte (West-)Berliner auch nach 25 Jahren immer noch stoisch "das Buga-Gelände" oder kurz "die Buga" nennt, am Samstag das Feuerblumen und Klassik Open Air. Was ich nicht verstehe, ist, wieso jemand bei einer solchen Veranstaltung Stuhlreihen-Platzkarten kauft, wo doch der Reiz im Picknicken und Wiesesitzen liegt und die reine Akustik sowie der Sitzkomfort, falls es um dies beides geht, sicher in einem Konzertsaal besser wären. So unterteilte sich das Publikum gestrenge und abgesperrt in gemütliches Parkvolk (oder Packvolk?) mit den günstigeren Wiesenkarten einerseits und die selbsternannten oberen Zehntausend andererseits (bitte die Eingezäunten nicht füttern!) - die garantiert weniger Spaß hatten. Von der ursprünglich, man merkt's, eher auf Sport spezialisierten radioBerlin-88,8-Moderateuse Marion Pinkpank (ist das eigentlich ein Künstlername?) wurde die Zwei-Klassen-Gesellschaft noch unterstrichen: In ihren ebenso bemüht wie erfolglos auf locker-lustig getrimmten Moderationen wurden die in die Bestuhlung vor der Bühne Gedrückten als "verehrte Damen und Herren" gesiezt, die WiesensitzerInnen dagegen mit "Habt ihr Spaß da hinten? Ihr seht so toll aus!" geduzt, egal, ob auch hier das Durchschnittsalter recht hoch und mehrfach Omi und Opi mit Campingzubehör oder Picknickkorb angerückt waren. Man erliegt eben gerne Klischees und biedert sich dann an, um das Senderimage zu verjüngen. Da sowohl Jazzradio als auch Klassikradio pleite sind, erklärt sich wohl auch, warum nicht Letzteres das Event sponserte und präsentierte. Na gut: dadurch sowie anhand der Frage "Öffentlich-rechtlich oder privat?" - angesichts einer Stadtparkveranstaltung.
So oder so: 12.000 BesucherInnen können nicht irren, Charme hat das Konzept. Schon vom Namen her, schließlich veranstaltet hier immer die "Grün Berlin GmbH", da müsste ich eigentlich mitwirken (ha, Brüller). Auch wenn die Musikauswahl bei der "St. Petersburger Nacht" nicht nur meine allererste Lieblingsklassik war. Inmitten all des Grünzeuges brutzelte dabei die Augustsonne in einem womöglich letzten Aufbäumen erbarmungslos vom Himmel, so dass sich unser erlauchter Kreis während der Nachmittagshitze unvereinbar in Sonnenanbeter und Schattensitzfans teilte. Als sich die befreundeten Splittergruppen am frühen Abend auf der inzwischen brechend vollen Hügellandschaft wieder zusammenschmissen, ergab dies nicht nur nasse Rückseiten vom Senke-Sitzen (da war doch die Tage davor irgendwas mit Regen gewesen? Wie war das doch mit der Physik und dem Lauf des Wassers, so rein unterirdisch betrachtet?), sondern man hatte die Musik auch mehrheitlich schon den ganzen Tag gehört; schließlich war vor Beginn des offiziellen Konzertteils stundenlang öffentlich geprobt worden. So war das Ganze ein gefällig untermaltes, gemütliches, stundenlanges Picknick. Mein spezielles Highlight war darin einmal mehr menschliches Verhalten: und zwar von Spinnern, die ihr halbes Wohnzimmermobiliar inklusive Stand-Kerzenleuchter mitgebracht hatten, bis hin zu einem der Unsrigen, der den ganzen Tag nörgelte, er warte so sehr auf das nächtliche Feuerwerk - um dann, als dieses endlich (natürlich zu Händels "Feuerwerksmusik") grandios inszeniert und choreografiert den Himmel illuminierte, die ganze Zeit die Augen zu schließen und den Kopf gen Boden zu senken: Das sei ihm "zu grell". Höchst amüsierte Grüße an dieser Stelle nach Provinzlauer Berg. Duuu nenn andere nochmal "Weichei"!
Gegen 23 Uhr glich der sonst so familienidyllische Großgarten mit den sich wegwälzenden Horden jedenfalls dem Olympiastadion beim Abzug von Fußballfans. Da soll noch einer sagen, in der Peripherie sei nix los und Klassik ein totes Genre. Wie irreführend der Begriff "E-Musik" ist, zeigte sich auch einmal mehr. Ein besserer fällt mir allerdings auch nicht ein.
"Volles Haus"...
...geht auch ohne Haus.
Bessere Gesellschaft und Wiesensitzer, Klang und Licht:
"Feuerblumen & Klassik Open Air" im Britzer Garten.
Jenen beschaulichen Unterbezirk Britz nennt der klassische Proll übrigens stänkernd "das Hollywood von Neukölln", wie am Sonntag bestätigt wurde. Auch wenn der klassische Proll in diesem Fall erstens eine Prollette, zweitens dann doch wieder keine und drittens gar nicht so klassisch war. In der "Kurmuschel von Bad Neukölln - wir sind ja jetz Kurort, in Juttas Kneipe wurde 'ne Futschi-Quelle entdeckt", auch Freiluftkino Hasenheide genannt, gastierte zum 4. Mal die Trash-Klamauk-Combo um Ades Zabel alias Edith Schröder. Was könnte russische Klassik, Barock und Mozarts seichtere Werke besser kontrastieren als konsequent schlechte und genau dadurch gute Travestie mit boshafter Prekariatsattitüde? Ediths Sommernachtstraum war wohl ein recht alkoholisierter Traum - diesmal nicht nur gespielt betankt, sondern zu "echt" wirkend von Stolpern, Textvergessen und Konfusion begleitet. So viel Unterhaltungswert hatte selten etwas so Konzeptloses. Dabei wurden kostenlos Zitty-Hefte verteilt, da Hochwürden auf dem aktuellen Titel prangt, und den Besuchern als Geschenk Rostbratwürste aufgedrängt. Schade, dett dit Jrünzeuch keen Fleesch frisst. Anderen dagegen reicht ja schon das reine Wort "Wurst" zur ekstatischen Begeisterung, und zwar öfter mal.
Wie immer gab es auch Randale light (zwecks besserer Sicht an den Seiten rupfte Edith vor der Bühne ganze Büsche aus, "wenn dett mal nich Ärger gibt mit so'ner Kampflesbe vom Grünflächenamt!") sowie, ganz im Handke'schen Sinne, beste Publikumsbeschimpfung: Sei es beim Verschachern von letzten Grillwürsten (von "Wenn ick dich so ankieke... na macht nix. Ick hatte ooch schon zu viele Würste!" bis hin zu "Wer hat sich jetz zuerst jemeldet? Hier, die da hinten, die mit den Möpsen, den kleenen! Aber dafür janz schön dicker Bauch! Is da watt drinne? Haste 'n Braten inna Röhre, ja?") oder Regenschirmen ("Ihr seid doch nich aus Zucker! Obwohl - hier wohl mehr als woandas. Ick werf mal Schürme. Siehste, dit is der Beweis, ooch Schwule können fangen.") oder bei Verkupplungsversuchen ("Biste etwa hetero? Ach so, er weeß noch nich, er überlegt noch!").
Als im Laufe des Abends die unfasslich drückende Hitze durch das abgelöst wurde, was ich mir leichtsinnigerweise im letzten Blogeintrag gewünscht hatte, erteilten sowohl Bühnenvolk als auch Publikum den gediegeneren und runderen Veranstaltungen ein Lehrstück in Sachen "feiern". Tapfer blieben fast alle, ob unter Bäumen am Rand Schutz suchend, in Regenkleidung oder Schirme geduckt oder einfach schulterzuckend, vor Ort und johlten eher lauter als leiser - und ließen auch die Darsteller nicht allzu vorzeitig gehen. Auch wenn diese ebensowenig ein Dach über sich hatten und das Programm(?) erst stärker abkürzen wollten, dann aber im Wolkenbruch alle Fünfe gerade sein ließen. Für die wild zusammenimprovisierte Finale-Party bei offenen Schleusen und ohne elektrischen Schlag, dafür aber mit noch gegenseitig übereinander ausgeleerten Gießkannen und Wassereimern, gebührt sowohl Edith als auch Biggy, Jutta, Kevin-Adriano, Adriano-Kevin und dem restlichen Edith-Universum massiver Respekt. Nur gut, dass Lady Gaga und Hürriyet Lachmann (welcher Deutschtürke nennt eigentlich seine Tochter "Freiheit"?) da schon von der Bühne waren. Die hätten sicher gezickt.

Montag, 28. Juni 2010

Potztausend!

Wäre das Grünzeuch-Blog ein Laden, bekäme ein bislang unbekannter Jemand nun ein schönes Foto von sich in grinsendem Zustand, eine Kaffeemaschine und eventuell auch Geld (respektive einen Einkaufsgutschein). Da dieser Mediendienst jedoch aus reiner Menschenliebe betrieben wird, kann er derlei nicht ausspucken. Über einen Türsteher oder einen Empfangsdienst verfügt er auch nicht: Jetzt habe ich doch prompt den/die 1000. Besucher/in verpasst! Sollte sich diese/r bei mir melden, weil aufrichtigerweise ausgerechnet sie bzw. er beim Lesen der Seite im Counter die schönen Nullen prangen sah, so lobe ich hiermit immerhin einen saftig grünen Lolli mit farblich passendem Luftballon als Prämie aus.

Montag, 24. Mai 2010

Theater, Theater

Genug gegreint! Abgesehen davon, dass Reinsteigern in Sport statt Reinknien in Sport eh immer irgendwie lächerlich ist: Langsam ist es mal wieder gut mit dem Heulen über die "Niederlage" (Motto: Second best is never enough) der ollen Bayern gegen Inter Mailand im Champions-League-Finale. Sonst werden sie doch so schön gehasst hierzulande, das gehört sich ja so, aber momentan scheinen alle Preußen selbst Bajuwaren zu sein? Habt ihr keinen Stolz?

Außerdem weiß kein Mensch, was das Theater soll und was alle haben. Schließlich wurde, wer's denn braucht, die Champions League doch schon am Donnerstag germanisch gewonnen. Und zwar lokal- bzw. regionalpatriotisch kompatibel! Wer nach der bis zur letzten Sekunde spannenden, durch 7:6 nach Elfmeterkrimi preußisch parierten Finalvorstellung in Madrid noch abfällig "Pah, Frauenfußball!" schnauft, hat einiges nicht bemerkt, aber auch übersehen, dass es sich angesichts des Durchschnittsalters der Spielerinnen eher um Mädchenfußball handelt. Und, jaaa (nerv!), fürs Protokoll: Der 1. FCC Turbine Potsdam hat Lira Bajramaj, und die ist nicht nur ein Kampfschwein, sondern auch was fürs Auge. Ähnliches gilt, je nach Geschmack, auch für die leider für Olympic Lyon spielende Schweizerin Lara Dickenmann; sympathisch wurde Barbie mir aber erst, als sie im Interview erläuterte, dass ihr Team natürlich auch den 2. Platz ein wenig feiern, am nächsten Tag aber dann wohl aus Madrid abreisen würde, und auf die Anschlussfrage, ob sie denn nicht noch bis zum Samstag bleiben und sich auch das Finale der Männer anschauen würden, ertappt guckend antwortete: "Öh, ach so! Ääähm..." - Bedeutet übersetzt: "Diese Marginalität Männerfußball hatte ich doch glatt vergessen!" - Touché, Madame.

Und weil's Spaß macht, hier noch das passende Potsdamer Liedchen - fetzt, klingt schön ostig nach Brandenburg-Deutschrock, schön altmodisch nach Kalinka und im Refrain nur zuuufällig ähnlich wie der 1980er-Eurovision-Song "Theater, Theater". Leider ohne Video, aber zum Mitsingen und Ohrwurmen:

Mittwoch, 31. März 2010

I never wanted to be a Woman!

Besser spät gebloggt als nie:
Geburtstage muss man gebührend feiern! Monty Python feierten ihren 40. ausgesprochen gebührend, und zwar bereits am 23.10.2009 - an keinem geringeren Ort als der proppevollen, tobenden Royal Albert Hall in London. Ersonnen hat dazu Ex-Python Eric Idle (derjenige der Truppe, der nie erfolgreiche Soloprojekte jenseits des Python-Humors verwirklichen konnte) zusammen mit dem genialen musikalischen Pythons-Unterstützer John du Prez, der die meisten großen Python-Songs und Filmmusiken verbrochen hat, etwas Besonderes: Das Oratorium "Not the Messiah (he's a very naughty boy)", basierend auf Händels "Messias" (die Homepage wirbt: "Like Handel, only funnier!") sowie auf dem beliebten Python-Film "The Life of Brian" (das Grünzeuch findet "The Meaning of Life" ja noch viel genialer, aber Brian ist natürlich auch großartig - und bekannter). Mit großem Chor, der - sich sichtlich das Lachen verkneifen müssend - jeden Scheiß mit- oder gegensang, dem Symphonieorchester der BBC und gestandenen Gesangssolisten, dazu mit Gastauftritten einzelner Ex-Teammitglieder, alle in mehr oder weniger Würde ergraut: Terry Jones und Terry Gilliam hatten ebenso ihre gefeierten Momente wie Michael Palin oder Carol "Irgendwie gehört sie als Teamfrau dazu" Cleveland, Neil Innes oder die Original-Mounties aus den Lumberjack-Sketchen; John du Prez durfte dirigieren und Eric Idle war die ganze Zeit vorne mit dabei, tapfer versuchend, in "Bariton...ish" gegen die Profi-SängerInnen zu bestehen. Wer fehlte, war John Cleese, warum auch immer. Entweder sie haben sich zerstritten oder er ist mal wieder mit einer teuren Scheidung beschäftigt. Schade, seiner eigenen Geburtstagsfeier fernzubleiben.

Natürlich gibt's den Mitschnitt auf DVD oder Blu-ray. Aber das allein wäre öde und nicht weiter berichtenswert: Denn der 25. März 2010 war sozusagen "Monty Python Day". An diesem einzigen Tag wurde die Aufzeichnung weltweit in ausgewählten Kinos gezeigt.
In Berlin war es die mondäne Astor Filmlounge, die mitmachte und sogartig anzog. Bei Begrüßungscocktail, (etwas dilettantischer) DJane im Foyer, Getränkeservice am Platz, einführenden Worten vor dem Vorhang, Lightshow und glänzend aufgelegtem Publikum machte die Parodie auf Oratorien, Opern, Musicals, Gospels und englische Musiklegenden (Eric Idle gab einen glänzenden Bob Dylan ab, man hat auch null verstanden, was er genuschelt hat) und natürlich auf die Messias-Geschichte entsprechend Spaß. Es wurde auch applaudiert, als sei man im Oktober live dabei. Auffallend das gemischte Publikum: Altersmäßig waren garantiert noch viele echte Fans der ersten Stunde im Saal. Dazu tauchten jenseits der Brian-Handlung zwischendrin immer wieder bekannte Sketch-Anspielungen oder Melodiefragmente auf, die das Publikum sofort wiedererkennend bejohlte oder mitsummte. Eins der Highlights: die mozartesk gesungene Kopulation (es lebe die Koloratur!) von Brian und Judith. In der Bibel heißt das so schön: "Und sie erkannten einander". Dagegen sieht Meg Ryans legendäres, lustiges Stöhn-Feuerwerk im Restaurant aus dem Film "Harry & Sally" alt aus.

Ein bisschen abgewandelt wurde die Brian-Story für Not the Messiah natürlich. Und sei's auch nur, damit man z.B. als Schlussnummer nach dem obligatorischen "Always Look On The Bright Side Of Life" doch noch zum "Lumberjack Song" kam: Der Sprachfehler von Pontius Pilatus aus "The Life of Brian", der seinen Freund, den Zenturio Wigus Dickus (auf Deutsch: Chwanzus Longus), ankündigt, ist hinlänglich bekannt. Am Ende war er es nun der Römer - Verzeihung: der Wömer -, der in Originalgestalt von Michael Palin träumend seiner geheimen Leidenschaft fröhnte: "I never wanted to be a Woman [Roman]! I wanted to be... a lumberjack!" - Naja, Stan dagegen wäre ja lieber "a woman": Man nenne ihn bitte Loretta und kämpfe für sein Recht, Babies zu bekommen.
Seltsam, in den Rolltiteln habe ich kein "in memoriam" gesehen für den 1989 verstorbenen Graham Chapman (der wollte kein Mädel sein, auch wenn er oft eins gespielt hat, der war ganz normal maskulin schwul). Immerhin war selbiger nicht nur ein wichtiger Python, sondern auch der echte Brian. Das ist irgendwie unfein.
Counter