Posts mit dem Label Kunscht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kunscht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 4. Januar 2016

Mond- und Bauchlandungen

Zum Themenkomplex "Knaller, Knüller, Raketenstarts, Fehlstarts und zwiespältige Botschaften" soll kurz nach Silvester noch dieser etwas irritierende Schnappschuss veröffentlicht werden:
Friedrichshainer Zwerge - Revaler Straße - Apollo 11
Ein Kunstwerk mit dem Titel: "Alles Scheiße, deine Elli"?
Jedenfalls heißt weder der Erschaffer dieser Plastiken noch deren Fotograf Pim(m) Rakete
Das sind doch …!? Aua-aua, ist denn dies der richtige Rahmen, Moment und Ort für derlei Abgeschmacktheiten? Wer weiß. Doch darum geht es gar nicht. Denn hier verbirgt sich tatsächlich ein pädagogisches Konzept zur Frühförderung von Technik-, Fortschritts-, Geschichts- und Wissenschaftsinteresse, bildender Kunst und größtmöglichem Individualismus im engen Rahmen des ganz fest Vorgegebenen:

Wer sich vom ersten gemächtigen Schock erholt hat (oder fertig ist mit dem Schwadronieren über den emotionalen Ausdruck "naiver Kunst"), der wird vielleicht eine Auflösung des Eine-Augenbraue-hochzieh-Rätsels, was hier dargestellt sein mag, haben wollen. Ein Rest von Irritation wird dann allerdings trotzdem bleiben; erst recht mit der Information, dass es sich bei dem Friedrichshainer Schaufenster um das eines Kindergartens bzw. einer Kindertagesstätte handelt. Doch gilt auch hier, wie so oft: Ein Schuft, wer Böses dabei denkt! Das heißt: nur die oder der Betrachtende mit den abgründigen Ideen im Kopf, keinesfalls hingegen eines der süßen, kreativen Kleinen oder aber die verantwortliche, heimtückische Erziehungsfachkraft vor Ort (oder gar die Bloggerin). Ein Schuft übrigens auch, wer hier Ursache und Wirkung vertauscht. Also:

Friedrichshainer Zwerge - Revaler Straße - Apollo 11-2
In Reih und, äh, Glied: faszinierende, zum interpretatorischen Abschuss freigegebene Werke
des Friedrichshainer Nachwuchses zum Thema "bemannte Raumfahrt".
Und ehe es Richtigstellungs-Anstürme empörter Eltern gibt: Die "Apollo 11"-Fotos sind vom letzten Jahr. Aber sie passten so gut zum Thema Jahreswende. Immer diese manipulativen Medien, schlimm, schlimm.

Donnerstag, 27. März 2014

Geh weg, Kunst!

Berlins StraßenkünstlerInnen nehmen sich ja gern sehr ernst und sehr wörtlich. Sich oder die unsägliche Berliner Imagekampagne – hier unter dem Motto: be straße, be kunst, be berlin! Eine Nummer kleiner reicht dann auch der Bürgersteig, andernorts auch Gehweg genannt, statt der Straße, um sich kreativ zu betätigen.
Gehwegkunst
Was die/der unbekannte KünstlerIn den (und dem) Passierenden hier sagen will damit, dass Taschentuchfragmente Gehwegfragmente weiterfragmentieren, erschließt sich nicht auf den ersten Blick, respektive im ersten Schritt.

Vielleicht, dass alles vergänglich ist, Zelltuch schneller als Pflasterstein, Mensch schneller als Stadt, und dann doch nicht; dass man dem Pollenallergie-Rotz immer Steine in den Weg legen sollte; dass auf den Weg kackende Köter die Schönheit dieser sexy Stadt trüben; dass Menschen das immerhin kreativ nutzen können; dass die Frage bleibt, ob das Kunst ist oder weg kann; dass vieles wegwerfbar, aber nicht automatisch auch verwerflich ist; dass der Weg das Ziel ist; dass das Wegwerfen das Ziel ist; dass nichts weggeht, wenn man nicht den Weg geht; dass die Ressourcen knapp werden; dass Glück und Frieden nur einen Steinwurf weit entfernt sind; dass man in unserer Kultur für fehlende Papiere quasi gesteinigt wird; dass man mal wieder "Stein, Schere, Papier (..., Echse, Spock)" spielen könnte; oder aber, dass jeder stets daran denken sollte, wie plötzlich jederzeit das Klopapier alle sein könnte.

Auf jeden Fall fordert(e) das Kunstwerk zum Mitmachen auf, zum Verändern, zum kreativen Umbau:
An Tag 2 ging die Kunst ihren Weg.
Die Stadt gehört uns, jede noch so kleine Baustelle erst recht, also ran an'n SpDreck! Lässt sich nun noch interpretieren, was die Aussage von Bild 2 gegenüber Bild 1 ist. Was wurde verändert? Die Freiheit des Papiers, vielleicht auch: der sinnbildlichen weißen Fahne, wurde durch einen Steinschlag begrenzt. Außerdem wurde das linke dem rechten Objekt formal angenähert. Vielleicht werden hier Gleichmacherei, Gruppendruck und gesellschaftliche Anpassung entweder angeprangert oder aber gefordert. Individualismus war gestern. Auch Steine und Taschentücher sind nur Herdentiere.

Solche in Veränderung, Über-Gang begriffenen Kunstinstallationen als Dokumente des Wandels regen jedenfalls immer wieder zum Innehalten und Interpretieren an. Danke, freie Kunstszene!

Samstag, 5. Januar 2013

B-Ware ... of 2013

Vorsicht vor dem bissigen Hund? Nein: Achtung, 2013 ist da! Ein quietschbuntes (für Schwaben: schee bont!) Graffito warnte – zumindest aufmerksame U-Bahn-NutzerInnen – schon zur Jahreswende, dass da womöglich nicht nur Gutes wartet. Wenn man die Fratzen aufmerksam studiert, scheint sogar Adolf Hitler wieder mal zurückzukehren. Ach, papperlapapp. Das Grünzeug wünscht seinen LeserInnen ein gesundes, gutes, zufriedenes und buntes, vor allem chlorophyllgrünes Jahr.
Watch out! Ist für 2013 die Uhr aus oder der Ofen? 
Update 6.1.: Auf vielfachen Wunsch ;-) wird dem visionistischen Graffitikünstler jetzt in besserer Qualität gehuldigt. Draufklicken vergrößert übrigens das Foto.

Freitag, 3. August 2012

Leuchtend Schönes Design

Dass angesichts dauernder Wetterumschwünge mal die Pferde mit einem durchgehen können und man plötzlich seltsame Formen und Farben sieht, ist nachvollziehbar, menschlich und normal. Aber dieses Textildesign – vermutlich eines der hässlichsten, die je entworfen (und auch tatsächlich hergestellt!) wurden – hat die Trendspotterin wirklich und wahrhaftig erblickt! Ehrlich!
Nein, nicht Regina Regenbogen.
Für erwachsene Frauen. Größe L.
Zwei Wochen später hing das Einzelstück (Gott sei Dank! Die Welt wird nicht mit sowas überschwemmt! Was gut ist. Denn manche kaufen alles, wenn man ihnen nur sagt, dass es jetzt angesagt ist) nicht mehr in dem fraglichen Laden. Will sagen: Es wurde schockierenderweise tatsächlich – für übrigens nicht wenig Geld – gekauft! Oder rituell verbrannt? Oder in einer Galerie ausgestellt. Oder für das nächste Billige-Zeichentrickserien-Storyboard als Inspiration verwendet. Oder als textiler Bezug einer exklusiven Schultüte für Erstklässlerinnen verarbeitet. Die Einschulung naht, die Zeit drängt, da muss man nehmen, was man kriegt, wenn der Wunsch "Pferde" oder Ähnliches lautet. Notfalls auch für viel Geld; jeder weiß ja, wie die Kids und ihre Anspruchshaltungen heute sind.

Samstag, 2. Juni 2012

Leer gut

Nötig ist doch noch ein Nachtrag zum Pfingstwochenende: Zwei wunderbare, professionelle, vor allem aber atmosphärisch dichte Schnappschüsse Fotografien vom 2012er "KdK" (Karneval der Kulturen) dürfen der interessierten Weltöffentlichkeit nicht länger vorenthalten werden, wie die Redaktion nun feststellte. Die Bilder fangen die schöne Stimmung und den Geist der Berliner Kulturveranstaltung inklusive seiner kulinarischen, gesellschaftlichen und stilistischen Vielfalt und seines ökologischen Ansatzes gut ein.

 Karneval der Trinkkulturen (vor allem der Pils- und Pilzkulturen):
Was passiert mit Leergut, wenn die Tonne voll ist und abgeschlossen wird?

"Sie standen an den Hängen und Pisten."
Hier traf es das Bezirksamt Kreuzberg. Aber jeder nur einen Busch!

Sonntag, 27. Mai 2012

Fishing for complications

Ein kulinarischer Kreativitäts-, Flexibilitäts- und Originalitätspreis (leider mit null Euro dotiert; aber es gibt ja zumindest hier Ruhm und grüne Ähre - es sei denn, man findet das Folgende auch ein wenig albern, die Gastrokritikerin ist noch hin- und hergerissen...) geht an das kleine, französische Restaurant "Bardeau" in der Schöneberger Nollendorfstraße. Es löste eine interessante Aufgabenstellung, die eigentlich so ernst gar nicht gemeint war.

Hintergrund: Eine Freundin hatte zu einem Abendessen im kleinen Kreise eingeladen und eine Menüfolge bestellt. Für die Autorin dieses Blogs erbat sie eine Extranichtwurst. Am einfachsten und auch lecker wäre die vegetarische Variante gewesen. Aber nein, der Piscetarierin wollte die Gastgeberin Luxus kredenzen: So sprach sie. Und es ward Fisch. Nicht allerdings ohne ihren Hinweis, dass diese schwierige Person, die es zu bewirten galt, Fisch eigentlich nur dann gerne esse, wenn er "sie nicht mehr anschaue" [Anm. d. Red.: Das stimmt]. Diese Hürde nahm das Restaurant wörtlich und mit diesem Ergebnis:

Das fischt mich nicht an.
Die Skulptur ergab Dorade an Spargel und anderen Leckerlis; Kopf und Schwanz bzw. Flossen waren abgetrennt und auf dekorative, bildnerische Weise (das Lokal versteht sich auch als Kunstgalerie) mit in Form gebackener Blätterteigpastete und Zitrone ergänzt. Woraus das "Auge" war, ließ sich nicht herausfinden.
Nach dem ersten Lachen lautete das einhellige Urteil: Niedlich! Aber guckt er jetzt nicht erst recht um Gnade flehend? Ach was, das Knopfauge ist ja nicht echt, da kann man sich prima in die inkonsequente Tasche lügen. Hach. Toll!

Montag, 9. April 2012

Anarchei

Die Grünzeuch-Redaktion wünscht, alle LeserInnen hatten (und haben noch, so als Rest vom Fest) trotz des zeitweiligen Schneegestöbers schöne Ostern! Es waren hoffentlich alle Christinnen und Christen artig am Freitag nicht tanzen, sondern traurig in Demut auf den Montag warten, und haben dann ordentlich gejauchzt und frohlockt, außerdem die ganze Zeit gesungen und gebetet. Der Rest hatte hoffentlich mindestens lustige, von heidnischen Bräuchen wie Ei-ei-ei durchzogene Feiertage, hat seinen Wohnungstürschlüssel versteckt oder den Heuschnupfen im Scheunenviertel gepflegt. Grüne Grüße im Aprilwetter - mit einer atmosphärisch dichten Installation des Neuköllner Szene-Künstlers M. Ariachi (2009/2012): 

Berliner Stillleben

Donnerstag, 29. März 2012

Tunnelblick (10): Projektionsfläche

Ein Bonmot aus der letzten Woche gibt es noch zu berichten:
Rund um den U-Bahnhof Deutsche Oper macht sich eine große Filmproduktion breit. Hier dreht "barfuss productions", Til Schweigers Produktionsfirma, noch an ihrem aktuellen Thriller "Schutzengel" herum, wie man den entschuldigenden Aushängen an den Türen der Anliegergebäude entnehmen kann. Nahe der Kreuzung verheddern sich neben der Wagen-und-Technikkisten-Burg zig Kabel und die Wege der geschäftigen Wuseler. Die Stofflehnen zweier klassischer Set-Klappstühle sind artig mit H. Knaup und L. Schweiger beschriftet. Gedreht wurde oder wird wohl (auch) direkt unten im U-Bahnhof. Denn dort stehen, abends gespenstisch verwaist, imposante Lichtaufbauten umher und ganze Kolonnen riesiger weißer und schwarzer Segel, die für Verstärkungseffekte von Licht und Schatten sorgen sollen. Weniger reflektierend ist allerdings ein spätabendlicher Fahrgast. Er schüttelt den Kopf, während er den Bahnsteig entlangschlendert, auf die U2 wartend, und spricht mit sich selbst: "Watt soll dett denn nu wieder? Watt machense denn jetzt wieder? Is doch noch jaanich lange her, die letzte Umbauerei. Und denn so scheiß Kunst! Also die BVG hat wohl zu viel Jeld!" - Ja, als Fahrgast drängt sich wohl die Frage auf, was für interessante Innendekorationskonzepte da von den zähneknirschend gelöhnten Penunzen für die Fahrscheine verwirklicht werden. Ob die vielen Menschen, Kabel, Schläuche und Maschinen oberirdisch auch zur Installation gehören und dauerhaft dort bleiben? Herbert Knaup als Designobjekt der BVG, welch Hauptstadtverkehr!

Freitag, 16. Dezember 2011

Dichtungsring

Dieser Tage spürt Frau Feu den Drang dazu zu dichten.
Ist das genial, mit Stil, au goût? Enttäuscht seid Ihr: Mitnichten!
Allein entspringt's dem hohlen Hirn, das nur sein Echo ehrt.
Sir John von Goethe hat sich schon im Grabe umgekehrt.

Geht's weiter wie bisher, bergab, dann nehm ich an, ach: schwöre,
Steigt er als Zombie bald empor und singt die Thriller-Chöre,
Verfolgt Frau Feu, bis sie verstummt mit Reimen immerdar,
Nur heimlich, leise und vermummt... noch dichtet. Wirklich wahr.

Der Schrecken ist nur halb so schlimm, solange Joeth'n ruht
Und ab und an das Reimgewirr auch Sinn enthalten tut.
Da dies nicht ist, hier der Appell: Helft mir, spinnt es weiter!
Ideenreichtum, strahlend hell, sei dabei Euch Begleiter.

"Morning, Madam, I've come to read your poet."
"Oh, yes - he's in the cupboard under the stairs." 
(Monty Python's Flying Circus)

Samstag, 26. November 2011

Zitat der Woche (3)

Berliner Kulturbohèmiennes - eloquent, analytisch, kritisch! Eine Ballettbesucherin beim Verlassen der Deutschen Oper zu ihrer Begleiterin:
"Irgendwie war die Musik gar keine richtige Musik! Oder? Mehr so 'ding, ding' ."

Montag, 23. Mai 2011

Brutale Berliner Bronx II

Berliner Bezirke wandeln sich. Aber die Wilmersdorfer Witwen dulden keine Ghettoisierung, keine Drogen, keinen Schmuddel, keine Sprayer und keine Graffiti. Leider nur sehr temporär war daher das schüchtern seitlich auf die glänzend weißen Fliesen aufgebrachte, riesige, wunderschön quietschbunte, gute Laune machende, LSD-Trip-artige Kunstwerk im U-Bahnhof Blissestraße:

Mittwoch, 3. November 2010

Frieda, Freddy & Fifty Fifis

Was genau will diese Schaufensterdekoration in einem Friseur- und Kosmetikladen dem interessierten Kunstfan sagen?
Diese beiden Zuchtrasse-Schoßfifis sind nur 50% Hund?
Der richtige Köter macht schon 50% des Stylings aus?
Eine gute Hundefrisur ist die halbe Miete?
Einkaufstüten jetzt 50% reduziert?
Einkaufstüten in diesem Laden haben zu 50% irgendwelche Hunde drauf?
Alle gebrauchten Einkaufstüten mit Hunden drauf jetzt für die Hälfte?
Alle gebrauchten Einkaufstüten jetzt für die Hälfte, aber nur für Hunde?
Alle Friedas & Freddies sind hundsgemeine falsche Fuffziger?
50% unseres Umsatzes machen wir mit Tüten?
Hunde erhalten dicke Rabatte auf Friseur- und Kosmetikleistungen, aber mehr als 50 Prozent kommen absolut nich inne Tüte?
50% der Hinterlassenschaften von Vierbeinern pro Tag passen in eine Einkaufstüte?
50% aller Auf-dem-Arm-hätschel-Hündchen heißen Frieda oder Freddy und passen in eine Einkaufstüte?
50% der KundInnen dieses Geschäftes tragen die Haarfarbe "Straßenköter" und sind ständig angetütert?
50% in diesem Laden wurden von Friedas und Freddies Hunden bepinkelt?

Samstag, 19. Juni 2010

Mal blau machen

Nicht nur Erzählungs-, Dialoge- und Charaktere-Kreativität kann man jenem armen, vom und im Alter gänzlich uninspirierten Mann absprechen. Auch seine so hochgelobte Fantasie in Sachen "wunderbare Weltwesen" ist nach jüngsten, grünen Enthüllungen höchst zweifelhaft: Denn nicht einmal seine Na'vi hat James Cameron für "Avatar" selbst ersponnen!

Dass er sich vielmehr als ganz gemeiner Dieb im ollen Ägypten, etwas genauer: in West-Theben vor etwa 4.000 Jahren, bedient hat, wird wachen Betrachtenden bar jedes Zweifels augenfällig. Und zwar bei einem Besuch im schön restaurierten, wiedereröffneten Neuen Museum in Berlin. Wie Schuppen von den Haaren fallen muss es denjenigen, die sich nicht nur auf stolz in Szene gesetzte Prestigeobjekte wie etwa den Gipskopp der flotten Tante Nofretete konzentrieren, sondern auch auf Miniaturen, auf scham- oder angstvoll in schattigen Vitrinen zwischen anderem Treibgut Verstecktes:



Hochgewachsene, quasi nackte, leuchtend blaue, über und über mit seltsamen Punkten tätowierte Frauen mit kräftiger Beinmuskulatur und eindringlichen Augen? Das kennen wir doch irgendwoher!

Diesen infamen, skandalösen (ja! Skandale, Skandale!) Ideenklau, mithin Diebstahl geistigen Eigentums, wird allerdings inzwischen weder der/die unbekannte Künstler/in noch (als netter Nebeneffekt der Eigenschaft "unbekannt") dessen/deren Familie oder Erbengemeinschaft anzeigen. Weder Hollywood noch sonst jemand am oberen Ende des Machtgefälles muss sich für Plagiate rechtfertigen. Wir wussten es immer: Die Underdogs dieser Welt werden noch Generationen später ausgebeutet. Sie haben weder Urheber- noch Ureinwohner-, Urwald- oder Urwaldureinwohnerrechte!

Ein Schlumpf wurde übrigens bisher trotz investigativer Anstrengungen in keiner historischen Sammlung entdeckt, wird aber auf dringenden Verdacht hin weiter gesucht.

Montag, 15. März 2010

Arti-Schock

Kunst ist lebendig! Und Kunst im öffentlichen Raum kann so hochwertig, weise, vielsagend, aktuell und interpretationsoffen sein!
Dabei muss nicht notwendigerweise alles Zeitgemäße nur per EDV und Nachbearbeitung erstellt sein. Die guten, alten, immergültigen und stets aktuellen, "echten" Lebensobjekte haben auch viel Potenzial. Speziell dann, wenn es sich um für jedermann frei zugängliche Werke handelt. Im Hier und Jetzt des Unmittelbaren, Direkten, Authentischen und in der Irritation durch scheinbare Brüche hierin entsteht ein Aussage-Sog unzählbarer Möglichkeiten.

Diese nur temporär erlebbare Installation eines/-r unbekannten Berliner Künstlers/-erin, verwirklicht im U-Bahnhof Mehringdamm, besticht durch die Veranschaulichung von Vergänglichkeit und Lebensessenz, auch im Gegenüberstellen der Materialien:





Der vielgenutzte Aha- oder auch Schock-Effekt entsteht hierbei durch das Fragezeichen über dem Kopf des Betrachters. Gleichsam fragend und aussagend, bildet dieser im Vorübergehen mit seiner direkten wie indirekten Interaktion mit dem Kunstwerk, manifest werdend in seinem Gesichtsausdruck und dem Wieder-Wirken und Wider-Wirken dessen auf weitere Passanten, selbst einen Teil der Installation. In ständiger Veränderung begriffen und vergänglich, ist das Werk daher eine vielschichtige und für jeden frei bzw. für jeden auch anders erlebbare Aussage oder Frage über den aktuellen Stand unserer Gesellschaft.

Eine mögliche Interpretation, die sich versierten KunstkennerInnen der aktuellen Szene aufdrängt, ist sicher die folgende:
Die Artischocke, dem Bio-System entrissen, entwurzelt, weich, lebend, aber sterbend, zudem ebenso Bildnis einer gesundheitsbewussten wie auch im Überfluss lebenden Gesellschaft, steht im Kontrast zum zunächst ungesund und ma(e)ngelhaft anmutenden Umbruch von Gegenwart, profanem Alltag und Notwendigkeit - voller Chancen und Möglichkeiten, aber auch Gefahren, da soziale, wirtschaftliche und intellektuelle Krisen diese Gesellschaft nachhaltig zu erschüttern drohen. Der Abfallbehälter aus hartem, kaltem, glattem, glänzendem Metall, fix und fest, augenscheinlich unumstößlich und abweisend, symbolisiert die nur scheinbar anpassbaren, wahrlich aber starren Regeln und Gesetze von zivilisiertem Leben, aalglattem Markt, Barrieren und Konformität.

Im bewusst aus jedem Blickwinkel anders betrachtbaren Drapiertsein der Artischocke zeigt sich auch der Appell an das soziale Bewusstsein und an das Orientieren an menschlichen Werten in einer verunsicherten und krisengebeutelten Gemeinschaft:
Dem Ablegenden war das Gemüse für seinen Geschmack augenscheinlich schon zu ausgereift, womöglich auch zu vergammelt (das Wort "verdorben" ist hierbei möglicherweise auf seine Ambivalenz im Moloch Großstadt zu hinterfragen). Aber im armen Kreuzberger Untergrund wäre es, sagt das soziale Gewissen, denkbar, dass ein vorbeieilender Hungriger, der sich im Überlebenskampf befindet, noch Gefallen daran fände; weshalb sich das Teilobjekt auf und nicht im Abfallbehälter befindet. So könnte dieser Vorbeieilende das Werk verändern, indem er von der Frucht abbisse oder sie gänzlich an sich nähme. Denn was wegen einiger brauner Stellen für den intellektuellen, aufstrebenden Geschäftstreibenden oder Kunst-Bohémien zu schlecht ist, kann für den durchschnittlichen Berliner Abfallbegutachter doch allemal gut genug sein und Dankbarkeit hervorrufen. Falls nicht, könnte er das Objekt immer noch wütend und verächtlich und mit sozialem Stolz in den Behälter stoßen. Auch hier würde sich das Werk verändern. Es böte dann Raum für die nächste Stufe der Interaktion: nämlich mit den klassischen Mülleimerdurchwühlern. Ob diese allerdings, meist auf der Jagd nach wirklich Essbarem oder aber Pfandflaschen, unbedingt viel Nutzen ausgerechnet von einer überreifen Artischocke erhielten, würde sich nur letztlich klären oder aber noch besser zeigen, wenn man die Installation noch weiter abwandelte (zum Zeitpunkt, als die Fotografie entstand, hatte die Autorin leider keine tauglichen Abwandlungsobjekte zur Hand). Beispielsweise, indem man für den durchschnittlichen, hungrigen und frierenden Obdachlosen oder anderweitig Entwurzelten neben das Gemüse noch ein halbleeres Döschen Kaviar und eine angetrocknete Scheibe Lachs legte.

Samstag, 13. Februar 2010

Welturaufführung

War das ein erhebender Moment, den man als normaler, nichtelitärer, verfrorener Mensch statt im Friedrichstadtpalast oder am Brandenburger Tor zumindest live auf Arte miterleben durfte! Das schon in der bekannten Fassung absolut besondere Stummfilm-Monument "Metropolis" in einer restaurierten, um die wiedergefundenen Szenen bereicherten Fassung und mit Live-Orchestrierung: Da begriff man endlich manche Handlungsstränge, bei denen man bisher dachte, man sei nur zu doof, um Kunst zu verstehen. Danke fürs Erretten meines Selbstvertrauens.

Nunmehr zweieinhalb Stunden lang, ist das über 80 Jahre alte Werk kein bisschen langweilig. Auch die anschließende Doku über Irrungen und Wirrungen von Filmrollen, Historikern und Kriegsbeute warf noch das eine oder andere spannende oder gar skurrile Licht auf einen Film, von dem man bisher dachte, er sei ein derartiger Klassiker, dass man sowieso alles über ihn wisse.
"Welturaufführung" deshalb, weil das, was wir da sehen durften, ja in dieser Fassung zuvor noch niemand gesehen hatte. Denn es ist ja immer noch nicht die ursprüngliche, ganz eigentliche Ur-Version, wie sie zur Premiere 1927 immerhin einige wenige Menschen zu Gesicht bekamen, ehe das Ganze verstümmelt wurde - sondern nur eine filmgewordene Mutmaßung über die ehemalige Montage, bei der auch immer noch einzelne Sequenzen fehlen. Die Sache bleibt für Cineasten spannend. Und der Film ein Wegweiser für Kunst, Film, Architektur und mehr. Hach, schwelg, die 20er Jahre hatten schon was. So, und jetzt will ich sofort ein Original-Filmplakat!

Counter