Kleinste gemeinsame Nenner sind wichtig; nicht nur in der Algebra, sondern auch im menschlichen Miteinander. Darum ist es (an alle Dr. Dr. Sheldon Coopers: nota bene!) gesellschaftlicher Konsens, wenn einem entweder sonst nichts einfällt oder aber alle anderen Themen vermintes Gebiet sind, dann über das Wetter zu reden.
In Deutschland hat sich bei diesem Reden das Motzen als grundlegender Ansatz etabliert. Welches Wetter das Werturteil "schön/gut" erhält und welches "eklig/schlecht", ist dabei ganz klar geregelt. Ungeschriebenes Gesetz: Sonne und Wärme supi, alles andere iiiihdoofblöd.
Niemand denkt dabei an die armen Allergiegeplagten, die im Frühling gar nicht solche große Freude haben, und an die hitzeempfindlichen Kreislaufschwachen, die den Sommer fürchten. Aber abgesehen von dieser Randnotiz lauert hier eine gesamtgesellschaftliche Falle: So wird das Smalltalken in der wärmeren Jahreszeit grundlegend erschwert! Denn wenn man nicht motzen kann, wozu dann ein Gespräch? Es sei denn, die Sprechenden einigen sich nonverbal, dass in diesem Ausnahmefall das Reden übers Wetter auch ohne Motzen statthaft ist, ehe man vereinsamt und mitten in der sonneseligen Supi-Zeit plötzlich vereinsamt und womöglich depressiv wird. Dann ist Loben möglich – aber sehr schnell aufgebraucht. Blumige Sprache erreicht beim Loben schneller ihre zeitgenössischen Grenzen als beim Motzen. Dann ist das Gespräch schnell zu Ende. In manchen Fällen hat das seine Vorteile.
So oder so: Freut euch des aktuellen Wetters! Nutzt es, um nach langer Zeit einmal wieder ausgiebig und sinnlos Kommunikation zu treiben! Wichtig: Sprecht dabei gegenüber dem neu entdeckten Wesen, diesem sogenannten Mitmenschen, unbedingt auch an, dass es ja nun wirklich lange genug kalt und bäh war und endlich, endlich, endlich wieder warm werden muss. Dass es erst Mitte Januar und dafür viel zu warm ist und dass bis auf eine Woche richtigen Frosts von "Winter" diesmal eigentlich keine Rede sein kann, dürft ihr keinesfalls erwähnen. Und zwar nicht nur gegenüber Klimakatastrophe-Befürchtenden und anderen vermeintlich viel zu Grünen. Sondern das ist ein schlimmer Verrat an gemeinsamen Werten. Und zwar ein schlimmerer, als sich zum Beispiel zusammenzurotten und irrwitzige "Ich habe nix gegen Ausländer und ich bin auch nicht rassistisch, aber"-Sätze zu sabbern. Muss deshalb auch unbedingt bekämpft werden, dieser Verrat. Statt "Je suis Charlie" mal "Je suis l'eté"!
Mittwoch, 14. Januar 2015
Dienstag, 6. Januar 2015
Zitat der Woche (34)
In einem Lokal im Kreuzberger Bergmannstraßenkiez plappern zwei Hipstertussis, wie sie dort in der unfreien Wildbahn immer gehäufter vorkommen und sie verderben, über den Beziehungsstatus der einen. Diese erklärt präzise:
"Ich hab grad mega dis komische Gefühl. Davor war ich ja emotional noch voll low und so."
"Ich hab grad mega dis komische Gefühl. Davor war ich ja emotional noch voll low und so."
Donnerstag, 1. Januar 2015
08/15 für 2015
Neues Jahr, neues Stück: Einer der jahreszeittypischen "guten Vorsätze" lautet, das Grünzeuch-Blog 2015 wieder zu aktivieren. Und damit die Redaktion sich nicht gleich den üblicheren, unangenehmeren Vorhaben widmen muss, beginnt sie zuerst damit.
Das Jahr startete wieder mit einem Fest für die Sinne: Schon lange vor Mitternacht boten sich herrlicher Kriegssound und Schwefelgeruch als akustische und olfaktorische Untermalungen des optischen Bilderrausches "Böllas im Nebel". Berlins beliebteste Einflugschneisen sind einfach am schönsten, wenn der Erlebnisurlauber wie im Traum durch Matsch und Undefinierbares waten kann, während die Schüsse ihn knapp verfehlen und sich alle paar Meter die spannenden Anblicke und Gerüche von Knallköppenkörpern, Alkresten, Alkleichen, Hundescheiße, Menschenurin und Kotze abwechseln.
Aber auch der allseits befürchtete "Tag danach" ließ sich wie üblich nicht lumpen. Wie traumhaft die Stadtreinigung ist, wissen die Eingeborenen wieder zu schätzen, wenn jene Feiertag hat. Zudem sind Kunst und Glamour auch im Jahre 1 n. W. (nach Wowi) noch allgegenwärtig:
Und wie wenig unsere Wegwerfgesellschaft doch im Überfluss lebt. Sie darbt – für sich und die Nachkommen und die Umwelt. Hach, zur Jahreswende werden alle immer so sinnlich, besinnlich, übersinnlich, besonnen, hintersinnig, feinsinnig und all dies.
In diesem Sinne: ein frohes, gesundes Neues allen LeserInnen und KlickerInnen!
Das Jahr startete wieder mit einem Fest für die Sinne: Schon lange vor Mitternacht boten sich herrlicher Kriegssound und Schwefelgeruch als akustische und olfaktorische Untermalungen des optischen Bilderrausches "Böllas im Nebel". Berlins beliebteste Einflugschneisen sind einfach am schönsten, wenn der Erlebnisurlauber wie im Traum durch Matsch und Undefinierbares waten kann, während die Schüsse ihn knapp verfehlen und sich alle paar Meter die spannenden Anblicke und Gerüche von Knall
Aber auch der allseits befürchtete "Tag danach" ließ sich wie üblich nicht lumpen. Wie traumhaft die Stadtreinigung ist, wissen die Eingeborenen wieder zu schätzen, wenn jene Feiertag hat. Zudem sind Kunst und Glamour auch im Jahre 1 n. W. (nach Wowi) noch allgegenwärtig:
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| In Neukölln kann sich keiner was leisten. Die haben Hunger. Brot statt Böller! |
In diesem Sinne: ein frohes, gesundes Neues allen LeserInnen und KlickerInnen!
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Und jetzt: das Wetter
Mittwoch, 16. Juli 2014
Zitat der Woche (33)
Später am Tag des Nationalmannschaft-Empfangs zum Sieg der Fußball-WM tanzt ein versprengter, später, schwarz-rot-golden dekorierter Fan über den Mehringdamm und singt zur Melodie des "Schunder-Songs" von den "Ärzten":
"Immer mitten in den Messi rein ...!"
"Immer mitten in den Messi rein ...!"
Sonntag, 22. Juni 2014
Zitat der Woche (32)
Those Americans! In der vor dem Fußball-WM-Spiel Deutschland – Ghana rappelvollen S-Bahn erklärt ein etwa zehnjähriges Mädchen seiner ebenfalls englischsprachigen Oma, warum so viele schwarz-rot-gold-gestylte oder -bemalte Leute unterwegs sind:
"Black, red, and yellow or golden are Germany's colors. It's soccer. Today's Germany against Afghanistan."
"Black, red, and yellow or golden are Germany's colors. It's soccer. Today's Germany against Afghanistan."
Montag, 9. Juni 2014
Mett Men
Auch dieses Jahr muss er doch nochmal sein: der kurze Nebeneinblick in den Berliner "Karneval der Kulturen", kurz "KdK" genannt. Während in Köln das große Birlikte/Zusammenstehen-Fest gefeiert wird, fand der mehrtägige Kreuzberger Alternativkarneval aus Straßenfest, Umzug und Parties diesmal bei ebenso höllischen Temperaturen statt, nur ohne Unwetter. Und das, obwohl es doch sonst meist zuverlässig zu Pfingsten mindestens an einem Tag auf die SambatänzerInnen niederregnete.
Der Trend lautet: Heuer ist es in Berlin schon wieder "multikulti", wenn die jute olle Stulle, Bulette oder Currywurst exotisch aufgepeppt wird. Dass der KdK sich seit Jahren zunehmend kommerzialisiert, ist kein neuer Vorwurf. Ebensowenig, dass es nur noch um FSK (fressen, saufen, kaufen) gehe. Und erst recht nicht, dass hier neben viel zu viel Alkohol hinter und neben den Kulissen auch viel zu viele bewusstseinserweiternde Substanzen konsumiert würden. Doch Letzteres lässt sich inzwischen entkräften, wie das folgende Foto beweist: Der Konsum findet vor und auf den Kulissen statt. Und völlig legal(isiert). Dit is Balin.
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Samstag, 7. Juni 2014
Zitat der Woche (31)
Und nochmal was Englisches; auf einem Südberliner S-Bahnhof scheitert eine ältliche Amerikanerin an der Aufgabe, wie das mit den Fahrscheinen und dem Entwertungsautomaten funktioniert, und holt sich Hilfe von anderen Fahrgästen:
"My brain hasn't clicked in at all yet."
"My brain hasn't clicked in at all yet."
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Mittwoch, 14. Mai 2014
Zitat der Woche (30)
Etwa 30-jähriger Hipster blökt auf der Kreuzberger Bergmannstraße, die inzwischen zu mindestens 90 Prozent durchgentrifiziert ist, laut in sein Smartphone:
"Yeah, you didn't send the original Abmeldebestätigung, right?"
"Yeah, you didn't send the original Abmeldebestätigung, right?"
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Donnerstag, 27. März 2014
Geh weg, Kunst!
Berlins StraßenkünstlerInnen nehmen sich ja gern sehr ernst und sehr wörtlich. Sich oder die unsägliche Berliner Imagekampagne – hier unter dem Motto: be straße, be kunst, be berlin! Eine Nummer kleiner reicht dann auch der Bürgersteig, andernorts auch Gehweg genannt, statt der Straße, um sich kreativ zu betätigen.
Was die/der unbekannte KünstlerIn den (und dem) Passierenden hier sagen will damit, dass Taschentuchfragmente Gehwegfragmente weiterfragmentieren, erschließt sich nicht auf den ersten Blick, respektive im ersten Schritt.
Vielleicht, dass alles vergänglich ist, Zelltuch schneller als Pflasterstein, Mensch schneller als Stadt, und dann doch nicht; dass man dem Pollenallergie-Rotz immer Steine in den Weg legen sollte; dass auf den Weg kackende Köter die Schönheit dieser sexy Stadt trüben; dass Menschen das immerhin kreativ nutzen können; dass die Frage bleibt, ob das Kunst ist oder weg kann; dass vieles wegwerfbar, aber nicht automatisch auch verwerflich ist; dass der Weg das Ziel ist; dass das Wegwerfen das Ziel ist; dass nichts weggeht, wenn man nicht den Weg geht; dass die Ressourcen knapp werden; dass Glück und Frieden nur einen Steinwurf weit entfernt sind; dass man in unserer Kultur für fehlende Papiere quasi gesteinigt wird; dass man mal wieder "Stein, Schere, Papier (..., Echse, Spock)" spielen könnte; oder aber, dass jeder stets daran denken sollte, wie plötzlich jederzeit das Klopapier alle sein könnte.
Auf jeden Fall fordert(e) das Kunstwerk zum Mitmachen auf, zum Verändern, zum kreativen Umbau:
Die Stadt gehört uns, jede noch so kleine Baustelle erst recht, also ran an'n SpDreck! Lässt sich nun noch interpretieren, was die Aussage von Bild 2 gegenüber Bild 1 ist. Was wurde verändert? Die Freiheit des Papiers, vielleicht auch: der sinnbildlichen weißen Fahne, wurde durch einen Steinschlag begrenzt. Außerdem wurde das linke dem rechten Objekt formal angenähert. Vielleicht werden hier Gleichmacherei, Gruppendruck und gesellschaftliche Anpassung entweder angeprangert oder aber gefordert. Individualismus war gestern. Auch Steine und Taschentücher sind nur Herdentiere.
Solche in Veränderung, Über-Gang begriffenen Kunstinstallationen als Dokumente des Wandels regen jedenfalls immer wieder zum Innehalten und Interpretieren an. Danke, freie Kunstszene!
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| Gehwegkunst |
Vielleicht, dass alles vergänglich ist, Zelltuch schneller als Pflasterstein, Mensch schneller als Stadt, und dann doch nicht; dass man dem Pollenallergie-Rotz immer Steine in den Weg legen sollte; dass auf den Weg kackende Köter die Schönheit dieser sexy Stadt trüben; dass Menschen das immerhin kreativ nutzen können; dass die Frage bleibt, ob das Kunst ist oder weg kann; dass vieles wegwerfbar, aber nicht automatisch auch verwerflich ist; dass der Weg das Ziel ist; dass das Wegwerfen das Ziel ist; dass nichts weggeht, wenn man nicht den Weg geht; dass die Ressourcen knapp werden; dass Glück und Frieden nur einen Steinwurf weit entfernt sind; dass man in unserer Kultur für fehlende Papiere quasi gesteinigt wird; dass man mal wieder "Stein, Schere, Papier (..., Echse, Spock)" spielen könnte; oder aber, dass jeder stets daran denken sollte, wie plötzlich jederzeit das Klopapier alle sein könnte.
Auf jeden Fall fordert(e) das Kunstwerk zum Mitmachen auf, zum Verändern, zum kreativen Umbau:
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| An Tag 2 ging die Kunst ihren Weg. |
Solche in Veränderung, Über-Gang begriffenen Kunstinstallationen als Dokumente des Wandels regen jedenfalls immer wieder zum Innehalten und Interpretieren an. Danke, freie Kunstszene!
Sonntag, 26. Januar 2014
Mach Männchen!
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wie süüüß
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